SWR3 Gedanken
Auf Insta stoße ich ständig auf evangelikale Christfluencer. Das sind Personen, die die Bibel wortwörtlich nehmen und auf Insta konservative, homophobe und sexistische Werte als christlich verkaufen. Sie heißen „holy“ oder „faith“ und vermarkten den Glauben wie ein Lifestyle-Produkt. Ganz nach dem Motto: Wenn du dich hundertprozentig zu Gott bekennst, dich an alle Regeln hältst, dann wirst du nicht nur moralisch gut – sondern auch erfolgreich, schön und glücklich.
Ich finde das schlimm. Weil es eine Lüge ist. Glauben ist kein Fitnessprogramm, nicht die Sittenpolizei. Und schon gar kein Beautyfilter fürs Leben.
Für mich bedeutet Glauben etwas anderes. Nicht, dass ich immer strahle und alles gelingt. Sondern, dass ich eine Haltung habe, gerade wenn es mal nicht läuft. Dass ich vertraue: Ich bin getragen, auch wenn ich falle. Und manchmal auch einfach zweifle und das Gefühl habe, nicht glauben zu können. Dass Gott mich und Andere genau so annimmt, wie wir sind – und nicht erst, wenn ich bestimmte Regularien befolge.
Das ist nicht so Insta-tauglich wie ein Hochglanzfoto mit Bibelzitat und Sonnenuntergang. Aber es ist echt. Und das macht den Glauben für mich so wertvoll.
Jesus sagt nicht: „Folge mir, halte dich an alle Regeln und du wirst reich, glücklich und erfolgreich.“ Sondern er verspricht uns was echt Großes: „Ich bin bei euch alle Tage.“ Auch an denen, die hässlich sind, ich müde oder voller Zweifel bin. Der Gott, an den ich glaube, gehört zu meinem ganzen Leben. Und das ist viel wertvoller, als jede perfekte Insta-Inszenierung.
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