SWR3 Gedanken
In drei Wochen werde ich 40. Und ich bin echt nicht bereit dafür.
Meine Hormone spielen verrückt, die Menopause kickt rein, und ich spüre: Manche Dinge gehen nicht mehr. (Nicht nur, weil meine Tochter manches peinlich findet, sondern weil ich älter werde.) Ja, 40 werden fühlt sich für mich ein bisschen an wie Abschied. Zwei Tage durchfeiern? Fehlanzeige. Ohne Brille abends das Buch lesen? Auch vorbei. Und dieses Gefühl, alles stünde mir noch offen – naja, das hat sich schon verändert.
Ich schaue auf meine Tochter, sie wird bald 11 – und sehe: Sie verabschiedet sich grad vom Kindsein. Die Tierposter in ihrem Zimmer werden gegen Nina Chuba Plakate getauscht und statt Schleichtiere gibt’s neue Ohrringe.
Und dann meine Oma. Sie ist diese Woche 96 geworden. Ihr Abschied ist noch viel radikaler. Sie verabschiedet sich von ihrer Selbstständigkeit, vieles geht nicht mehr so einfach. Sie braucht Unterstützung beim Einkaufen und der Gartenarbeit.
Mir wird klar: Älterwerden heißt Abschied nehmen. Abschied von Lebensphasen, von Gewohnheiten, von Menschen. Das ist seltsam, traurig, und macht mir manchmal sogar Angst. Aber ich habe auch gemerkt: Ich gewinne Erfahrung. Jahrzehntelange Freundschaften tragen mich. Ich spüre schneller, was mir guttut und was nicht. Und ich kann meine Tochter begleiten, meine Oma würdigen – weil ich schon ein Stück Weg mit ihnen gegangen bin.
Das ist mein Schatz, den ich in vierzig Jahren gewonnen habe: die Gesichter, die Geschichten, die vielen Male, bei denen ich hinfalle und wieder aufstehe. Ja, ich werde 40. Und das bedeutet beides: Abschied nehmen und weiter gehen, mit einem großen Schatz im Gepäck.
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