SWR Kultur Wort zum Tag
Neulich habe ich mein erstes Gespräch mit einer künstlichen Intelligenz geführt. Ich habe mir die entsprechende App auf mein Handy geladen, das Mikrophon eingeschaltet und probehalber mal ein paar Fragen gestellt.
Eine angenehme Frauenstimme hat mir unverzüglich und meist zutreffend Auskunft gegeben. Über alles, was ich sie gefragt habe. Welche Ferienlektüre sie mir empfiehlt. Was sie meint zu der Frage, ob es Gott gibt. Auf meine Bitte hin hat sie mir sogar eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt.
Ich war beeindruckt. Dennoch ist mir klar: künstliche Intelligenz ist und bleibt eine Maschine, wenn auch eine, die sehr clever ist. Ich bin fasziniert von ihrem Wissen und ihrer Schnelligkeit. Und weiß, dass sie nützlich sein kann: einem Routinearbeiten abnimmt, Zeitersparnis bringt, Entlastung schafft.
Aber eins fehlt ihr eben doch: es fehlt ihr die Seele. Letztlich ist und bleibt sie ein seelenloses Gegenüber. Die Aufmerksamkeit eines Menschen kann sie nicht ersetzen. Sie gleicht einer Wand, gegen die ich rede und die ein Echo zurückwirft von Sachen, die sie im Internet zusammengesucht und kombiniert hat.
Mir ist eine Bibelstelle eingefallen, wo die Rede ist von Göttern, die Menschen ersonnenen haben. Anders als von dem lebendigen Gott wird von ihnen gesagt: „Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht.“
Diese künstlichen Götter lassen sich zwar anbeten. Aber zu einem echten Dialog sind sie nicht fähig. Sie täuschen Empathie vor, sind in Wirklichkeit aber ein stummes Gegenüber ohne Mitgefühl. Denn es fehlt etwas Grundsätzliches: Resonanz.
Gott hingegen, so sagt mir die Bibel, ist, selbst wenn er schweigt, keine tote Wand. Ich vertraue darauf, dass er mich hört. Dass er mit mir ist und mich durch mein Leben begleitet.
Sicher, künstliche Intelligenz kann vieles leisten. Sie wird aber immer eine, wenn auch nützliche, Maschine bleiben.
Das aber, was ich zum Leben brauche, ist ein lebendiges Du. Ein Gegenüber, mit dem ich reden und schweigen, zweifeln und hoffen, weinen und lachen kann. Und das ist unersetzlich.
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