SWR Kultur Wort zum Tag

02OKT2025
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Vor ein paar Tagen haben wir in einer alten Dorfkirche den Michaelistag gefeiert. In der evangelischen Kirche wird dieser traditionelle Festtag ja eher selten begangen. Ein Tag, der dem Erzengel Michael und allen übrigen Engeln gewidmet ist.

Vielleicht weil Engel Lichtgestalten sind, haben sich die Erbauer der über vierhundert Jahre alten Dorfkirche für diesen Tag etwas Besonderes einfallen lassen. Immer am Michaelistag fällt nämlich am frühen Abend ein Sonnenstrahl auf das Kruzifix über dem Altar. Und beleuchtet für wenige Minuten die Schrift darunter. Da steht: „Es ist vollbracht“.

Es ist das letzte Worte Jesu kurz vor seinem Tod am Kreuz. Und bedeutet, dass das grausame und sinnlose Leiden endlich zu Ende ist. Die Botschaft ist, dass nun etwas Neues, Helles beginnt. Christus, das Licht der Welt, hat das Dunkel der Welt ein für alle Mal durchbrochen.

Ich finde, es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes lichte Idee, diese Botschaft umzusetzen in die Architektur einer Kirche. Trotzdem muss ich nicht ein ganzes Jahr auf den nächsten Michaelistag warten. Im Grunde ist ja jeder Morgen eine Erinnerung daran, dass das Dunkel nicht bleibt. Sondern vom Licht überwunden wird.

Das Licht des frühen Morgens. Ich finde es immer zauberhaft. Ich weiß gar nicht genau, woher es kommt. Aber irgendwann findet es seinen Weg durch die Ritzen und Spalten der Fensterläden. Oder als schmaler Streifen unter der Tür meines Schlafzimmers.

Mir erzählt dieses Licht jeden Morgen eine kleine Schöpfungsgeschichte. Und erinnert mich an die Worte der Bibel, als Gott am Anfang der Schöpfung sprach: „Es werde Licht“.  

Auch in vielen Geburtsanzeigen findet sich diese Erinnerung. Wenn da steht: ein Neugeborenes hat das Licht der Welt erblickt. Was für ein schöner Ausdruck! Ein neugeborenes Kind erblickt das Licht der Welt. Aber nicht nur ihm geht es so. Genau genommen erblickt jeder von uns jeden Morgen neu das Licht der Welt.

Darum geht es: es wird nicht dunkel bleiben! Die Botschaft der alten Dorfkirche mit den einbrechenden Sonnenstrahlen hat mich am Michaelistag wieder daran erinnert. Und auch das Licht dieses neuen Morgens.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43044
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