SWR Kultur Lied zum Sonntag

05OKT2025
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„Bruder Sonne, Schwester Mond, Bruder Wind und Schwester Wasser“. Was im ersten Moment vielleicht kitschig oder einfältig klingt, ist Weltliteratur! Der Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi feiert sein 800-jähriges Jubiläum, sein Text ist das älteste Dokument in altitalienischer Sprache.

Wir hören eine schlichte Liedvariante aus den 70er Jahren. Die Melodie stammt vom italienischen Filmkomponisten Riz Ortolani.

Musik
1) Höchster, allmächtiger und guter Herr, dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehr.

Herr, sei gelobt durch Bruder Sonne, er ist der Tag, der leuchtet für und für.

 

Wenn ich diese Hymne des Heiligen Franziskus höre, kann ich mir leicht vorstellen, wie er in seiner braunen Kutte barfuß im Gras steht, zu den Vögeln predigt und fröhlich die ganze Schöpfung als Familie besingt. Aber so romantisch war es eben nicht.

Im Winter 1225 liegt Francesco nämlich todkrank und fast blind in einer Hütte. Die Mäuse sollen über ihn gekrochen sein, so ärmlich war die Situation. Völlig entkräftet formuliert er seinen Sonnengesang. Er wählt den umbrischen Dialekt, nicht das hochgestochene Kirchenlatein. Das passt, denn was Franziskus schreibt, ist ganz persönlich, und es ist erstaunlich: denn wer lobt schon die Sonne, wenn er nichts mehr sieht?

Der Sonnengesang steckt voller Ehrfurcht. Vor dem ganzen Kosmos und der Erde, vor allen friedfertigen Menschen, und sogar vor dem Tod. Der klingt in dieser Strophe an.

Musik
2) Herr, sei gelobt durch unsren Bruder Tod, dem kein Mensch lebend je entrinnen kann. Der zweite Tod, tut uns kein Leides an.

 

Franziskus hat viel von sich selbst verlangt. Er hat freiwillig ganz arm gelebt, und unter seiner Zeit gelitten. Im 13. Jahrhundert gab es die Kreuzzüge. Das war für Franziskus so unerträglich, dass er sogar – krank wie er war – zum damaligen Sultan in den Orient gereist ist. Und obwohl die Begegnung zwischen christlicher und muslimischer Welt fruchtbar gewesen ist, hat sich die Friedensmission des Franziskus nicht erfüllt.

Musik
3) Herr, sei gelobt durch jene, die verzeihn, und die ertragen Schwachheit, Leid und Qual.

Höchster, allmächtiger und guter Herr, dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehr.

 

Franziskus wollte, dass sein Sonnengesang unter die Leute kommt. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen, sein Vermächtnis wirkt immer noch. Jedenfalls bei mir.

Ich kann in großer Verbundenheit mit allem Gott loben. Verbunden mit der Schöpfung, mit anderen Menschen und meinem eigenen Leben, bis zum Schluss.

Das ist nicht blauäugig. So kann ich beten, mit weitem Horizont und „in Dankbarkeit und mit großer Demut“ – wie es im Lied heißt. 

 Musik
4) Lobet und preiset den Herrn in Dankbarkeit und dienet ihm mit großer Demut.

 

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Quellen:      

1) Eigenproduktion von Lukas Grimm vom 25.09.2025, Liedrechte: Textübertragung: Johannes Lehrner, Musik: nach der Filmmusik zu „Fratello sole sorella luna“ von Riz Ortolani.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43043
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