SWR Kultur Lied zum Sonntag
Musik
Ein junger Mann reist quer durchs Land, auf dem Weg zu einer Universität. Doch er kommt nie dort an. Er wird überfallen und ausgeplündert, irrt weiter, hin und her – gibt seine Studienpläne auf, findet aber endlich eine gute Anstellung. Glücklich schreibt er ein Lied – es wird eins der bekanntesten Kirchenlieder:
„Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.“
Der junge Mann – Georg Neumark heißt er – ist überzeugt: „Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut!“ Heute, fast 400 Jahre später, schreibt der Chorleiter Klaus-Martin Bresgott neue Strophen auf die alte Melodie:
Musik
Mein Gott, im Widerstreit der Welten,
im Flug der Zeit vergeht mein Tun.
Ich weiß nicht, welche Ziele gelten,
mein Schlaf ist ein unsich’res Ruhn.
Ich suche nach dem Gleichgewicht
voll Sehnsucht und doch zögerlich.
Hin und her gerissen sein. Zu viele sich widersprechende Ziele. Den jungen Georg Neumark haben zur Zeit des dreißigjährigen Krieges vor allem äußere Einflüsse aus dem Gleichgewicht gebracht. Viele Menschen heute kämpfen damit in ihrem Inneren.
Wohin soll die Reise gehen? Wie komme ich zum Ziel? Ohne unterwegs ausgeplündert zu werden?
Musik
Ich stehe zaghaft vor der Freiheit,
die, Vater, du mir zugetraut.
Mein Herz ist bang und deine Klarheit
Erschreckt mich tief unter der Haut.
Mein Mut ist wie ein Emigrant,
sucht fragend Trost im fremden Land.
Freiheit. Wunderbar und oft ersehnt. Doch auch eine große Herausforderung.
Was erwartet Gott von mir? Offenbar geht es darum gar nicht. Gott erwartet nichts, Gott traut mir etwas zu. Aber ist mein Herz stark genug dafür? Reicht mein Mut?
„Mein Mut ist wie ein Emigrant ...“
Mein Mut zieht in die Fremde. Zögernd, zaghaft stolpere ich hinterher. Wo geht das hin?
Musik
Doch blitzt dein Segen in der Sonne,
lacht mir die Ewigkeit in dir.
Von Neuem spür ich voller Wonne
die Freiheit deiner Kraft in mir.
Im Morgentau und Mondeslicht
blickst, Vater, du mir ins Gesicht.
Segen. Lachen. Ein freundliches Gesicht. Es ist Gottes Freiheit, die mir Kraft gibt. Ja, so komme ich zum Ziel. Vielleicht nicht zu dem, das ich im Sinn hatte. Aber zu dem, das Gott für mich bereithält. So hat es auch Georg Neumark erlebt. Hören wir ihn zum Schluss noch einmal selbst:
Musik
Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichen Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.
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Musikquellen
Choral: Gut. 500 Jahre Evangelischer Choral. Athesinus Consort Berlin, Klaus-Martin Bresgott
Komponist
T: Georg Neumark / Klaus-Martin Bresgott (Strophen 4 - 6)
M: Georg Neumark / Satz: Georg Neumark / Felix Mendelssohn
