SWR3 Gedanken
Neulich hat mich mal wieder ein Kind schwer beeindruckt: Kaffeetrinken bei Freunden auf der Terrasse. Mehrere Familien sitzen zusammen. Die Erwachsenen trinken Kaffee und unterhalten sich. Die Kinder spielen und toben durch den Garten. Ein Junge, vielleicht fünf, gibt richtig Gas. Hüpft wild übers Gras, hat einen Zauberstab aus seinem Zauberkasten dabei und zeigt Zaubertricks. Super cool. Und doch hört man kurz auch so Kommentare wie „Ach, was ist das denn für einer…“ „Na, der macht ja eine Show…“ Einer der Erwachsenen fragt ihn dann auch direkt, mit einem Schmunzeln: „Sag mal, was bist Du denn für einer?“ - „Ich? Ich bin einfach der Anton“, antwortet der Kleine selbstbewusst. Alle müssen lachen. –
Ich muss an einen Satz denken, der mir immer wieder begegnet. Sei einfach ganz Du selbst! Ich knirsche dann ehrlich gesagt immer auch ein bisschen mit den Zähnen, wenn ich das höre. Denn: Sei einfach ganz Du selbst – ja, das ist zum einen eine starke Ermutigung, wird mir damit doch gesagt, dass so, wie ich bin, gut und richtig ist. Aber einfach? Einfach ist das sicher nicht. Weil: Wie ist man eigentlich ganz man selbst? Ich meine, es könnte in folgende Richtung gehen: Sich nicht zu verstellen, keine Rolle zu spielen, nur, weil sie jemand von mir erwartet. Zu zeigen, was wirklich in einem vorgeht. Nicht so zu tun, als wäre alles kein Problem. Auch Schwäche zuzulassen und zu zeigen. Oder eben auch albern, witzig, aufgedreht zu sein. Auch wenn das vielleicht manche um einen herum irritiert. Kinder – wie zum Beispiel Anton - zeigen uns immer wieder, wie es gehen kann. Von Kindern kann man so viel lernen. Sie sind, das weiß schon die Bibel, eine echte Hoffnung. Auch darauf, dass unverstelltes, echtes Leben gelingen kann. Wenn Anton wüsste, dass er mit seiner Art auch Vorbild für Erwachsene ist…
Ich wünsche Ihnen auch so Anton-Momente, in denen Sie aus ganzem Herzen sagen können: Ich, ich bin einfach der Anton!
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