Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

02OKT2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

In der Bibel gibt es eine Erzählung, die mich fasziniert. Da spricht Abraham mit Gott über Sodom und Gomorra. Gott hat die Nase voll vom kriminellen Treiben der Bewohner. Darum will er die Städte vernichten. Abraham aber widerspricht. Er fragt: Was ist mit den Unschuldigen, die es dort vielleicht gibt? Sollen die mit den Schuldigen untergehen?

Natürlich ist so eine Erzählung nicht unproblematisch. Was für ein brutales Gottesbild wird da gezeichnet?

Historisch betrachtet verarbeitet diese Erzählung sehr wahrscheinlich die tatsächliche Zerstörung zweier Städte am Toten Meer und zwar durch eine Naturkatastrophe. Warum passiert so etwas? Und weil es darauf keine Antwort gibt, rückt Gott als Richter an die Stelle der Ursache. Die Deutung lautet dann: Wer leidet, hat es verdient. So lässt sich das Schicksal besser aushalten. Diese Einstellung existiert leider und ich halte sie ebenfalls für problematisch.

Unterschwellig stellt diese Erzählung mir aber noch eine ganz andere Frage: Was kann ein einzelner Mensch schon ausrichten?

Vor dieser Frage stehe ich, zum Beispiel, wenn ich auf den Klimawandel schaue. Was kann ich da schon tun? Was nützt es, wenn ich mit meiner Familie auf Flugreisen verzichte? Was bringt es, wenn ich versuche, Energie zu sparen?

Vielleicht kann ich tatsächlich nicht viel ausrichten. Viel wirksamer wäre es, wenn die Politik konsequent am Klimaschutz arbeiten und entsprechende Weichen stellen würde. Warum soll ich mich persönlich einschränken, wenn andere das nicht machen?

Ich glaube, dass jeder Mensch eine Verantwortung für das große Ganze hat. Und dieser Verantwortung will ich mich nicht entziehen. Wenn meine Kinder, oder meine Enkelkinder mich fragen, was ich gegen die Erderwärmung gemacht habe, dann möchte ich sagen können: Ich habe getan, was ich konnte.

Abraham hat in der Erzählung auch getan, was er konnte. Er hat sich für Menschen eingesetzt, die er gar nicht persönlich kannte. Er hat sich solidarisch in sie hineinversetzt und für ihr Lebensrecht den Mund aufgemacht.

So ähnlich sehe ich das beim Klimawandel. Ich selbst spüre die Folgen vielleicht kaum. Aber andere schon. An sie zu denken und mit meinem Verhalten solidarisch zu handeln, das ist ein Anfang.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43012
weiterlesen...