Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

30SEP2025
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Drei Steinmetze sind dabei, Steine zu behauen. Ein Kind bleibt stehen und fragt: „Was tust du da?“ „Da siehst du doch!“, antwortet der erste Steinmetz, „Ich behaue Steine!“ „Und was tust du da?“, fragt das Kind den zweiten. Der antwortet seufzend: „Ich verdiene Geld, um meine Familie zu ernähren.“ Das Kind fragt schließlich den dritten: „Was tust du?“ Dieser blickt hinauf in die Höhe und antwortet leise: „Ich baue einen Dom!“

Ich habe diese Geschichte[1] der drei Steinmetze einmal bei einer Synode vorgelesen. Die Synode ist unser alt-katholisches „Kirchenparlament“. Da kommen gewählte Abgeordnete aller Gemeinden zusammen und beraten über den Kurs unserer Kirche. Und manchmal sitze ich da und frage mich: „Was tue ich hier eigentlich?“ Zum Beispiel, wenn wir wieder über Amtszeiten sprechen. Oder wieder über den Namen unserer Kirche. Nur damit ich nicht falsch verstanden werde: Demokratische, synodale Beratungen sind für mich unverzichtbar. Es sind nur einzelne Dauerthemen, auf die ich gut verzichten könnte.

Bei solchen Dauerthemen frage ich mich: Warum reden wir schon wieder darüber? Was ist denn das Ziel? Und: Will ich da wirklich hin?

Wieder zu Hause und in der Rolle des Vaters von drei Kindern frage ich mich auch manchmal: „Was tue ich hier eigentlich?“ Kindererziehung ist harte Arbeit. Denn auch hier gibt es Dauerthemen, die nervig und ermüdend sind. Zum Beispiel, wie lange Kinder am Handy hängen dürfen. Aber mit jeder Diskussion, mit jeder Meinungsverschiedenheit und mit jeder Versöhnung kommen wir dem Ziel Schritt für Schritt näher. Das Ziel ist der aufrechte und aufrichtige Mensch, der seinen Platz findet.

Natürlich fragen wir uns, als Eltern, immer wieder, ob wir tatsächlich auf dem richtigen Weg sind, ob wir das richtige tun? Und diese Fragen sind wichtig, weil sie uns aus dem Alltagstrott herausreißen und uns dabei helfen, uns auf das auszurichten, was uns wirklich wichtig ist.

Daran orientiere ich mich auch auf der Synode. Ich bin dort nicht wegen der Tagesordnung, sondern weil ich glaube, dass Kirche ein Ort sein kann, an dem Menschen zu sich finden und aufblühen. Das ist mein Dom. Und dafür lohnt sich jeder einzelne Stein.

 

 

[1] Andere Zeiten e.V., Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43010
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