Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Mit dem Blick zurück geht es vorwärts. Klingt komisch? Ist aber so - zumindest beim Rudern. Wer schon einmal in einem Ruderboot gesessen hat, kennt es vielleicht: Das ungewohnte Gefühl, nicht zu sehen, wohin man steuert und fährt.
Als Jugendliche habe ich für einige Zeit viel gerudert. In großen, breiten Booten, sogenannten Zweiern oder Vierern, mit mehreren anderen zusammen. Und in ganz leichten, schmalen Ruderbooten, den Skiffs, in denen man allein oder zu zweit sehr schnell vorankommt. Ich erinnere mich gut daran. Wie leicht und lautlos das Boot über das Wasser gleitet. Auf der Wasseroberfläche hinterlassen die Ruderschläge und das Boot Abdrücke. Besonders schön ist das frühmorgens oder abends. Dann sind das Licht und die Stimmung auf dem Wasser so besonders. Oft habe ich dann gestaunt, wie schön diese Welt sein kann.
An die Blickrichtung beim Rudern musste ich mich erst gewöhnen. Denn man sitzt genau andersrum als sonst. Normalerweise gehe ich vorwärts durchs Leben und sehe, wohin ich gehe. Beim Rudern ist es genau umgekehrt: Ich sehe nach hinten: Die Landschaft zieht an mir vorbei und ich weiß nicht genau, was vor mir liegt. Bin ich allein im Boot unterwegs, muss ich mich immer mal wieder umdrehen, um zu sehen, was vor mir liegt oder um den Kurs zu korrigieren. Mit der Zeit entwickelt man ein gutes Gespür dafür. Im Vierer ist daher der Steuermann wichtig. Ihm kann man vertrauen, denn er sitzt als Einziger im Boot mit Blick nach vorn.
Die Bibel erzählt davon, dass Jesus zu ähnlichem Vertrauen aufgefordert hat. „Fahr hinaus, wo es tief ist!“ (Lukas 5,4) hat er zu Simon, einem Fischer am See Genezareth, gesagt. Das bedeutet so viel wie: Fahr so weit hinaus auf den See, bis zu der Stelle, an der du nicht mehr bis auf den Grund sehen kannst. Bis zu dem Ort, an dem du nicht weißt, was kommt und was dich erwartet.
„Vertrau mir“, sagt Jesus, „Lass dich darauf ein – und fahr los.“
Was für eine Ansage! Simon hat es gewagt. Er hat Jesus vertraut und ist aufgebrochen ins Unbekannte. Und er ist mit einem Netz voller Fische belohnt worden.
„Fahr hinaus, wo es tief ist.“ Jesu Worte fordern mich auch heraus: Lass dich darauf ein, dass du nicht wissen und sehen kannst, was die Zukunft bringt. Hab Vertrauen, dass der Steuermann richtig steuert. Und sei gewiss: Es kann gut werden.
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