Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Jetzt atmen sie erstmal durch. Sie können auch gerne seufzen oder Luft auspusten. Atmen. Luft holen. Das ist total wichtig. Lebenswichtig. Das wissen die Menschen bereits seit vielen tausend Jahren. Und schon genauso lange denken sie den Atem und das Leben zusammen.
Schaue ich in die hebräische Bibel, also den Teil der Bibel, dann entdecke ich folgendes: das Wort für Seele und für Kehle ist im Hebräischen das gleiche Wort. Und Kehle meint nicht nur das Stück vom Hals, durch das die Luft strömt. Sondern Kehle meint das ganze Atemorgan mit der Lunge.
Daraus hat sich folgende Vorstellung entwickelt: So wie die unsichtbare Luft durch die Kehle strömt und den Menschen leben lässt, so strömt die unsichtbare Seele in den Menschen und macht ihn lebendig. Und weil Gott lebendig macht, darum kommt auch der Atem von Gott. Atem gleich Seele. Beides von Gott gegeben. Darum heißt es in der Bibel auch: „Der Atem Gottes gibt mir Leben.“ (Hiob 33,4)
Leben und Atem gehören also zusammen. Das stimmt medizinisch, aber auch im Glauben. Und aus diesem Grund sollte es auch eine Glaubenssache sein, mit dem Atem und dem Atmen aufmerksamer umzugehen.
Natürlich geht das Atmen ganz oft unbemerkt und nebenbei. Einatmen. Ausatmen. Läuft halt. Aber dann gibt es plötzlich Momente, da stockt mir der Atem oder ich werde kurzatmig. Oder ein tiefes Seufzen kommt aus mir. Das sind dann wirklich die Momente, in denen ich mich meinem Atem zuwenden sollte. Was sagt mir mein Atem? Was ist los mit mir? Dann sollte ich mich auf meinen Atem konzentrieren. Bewusst einatmen. Ausatmen. Möglicherweise Sorgen ausatmen. Aber vor allem darf ich merken: da ist der Lebensatem von Gott in mir. Und das macht mich lebendig.
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