Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

06OKT2025
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Der Dichter Friedrich Schiller hat einmal gesagt: Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. (Vgl. Schiller: Ästhetische Erziehung des Menschen.15. Brief.) Und er hat damit gemeint, dass sich im Spiel zeigt, dass der Mensch frei ist – frei von den Zwängen und von dem immer gleichen Trott des Alltags.

Wenn Menschen also frei sein wollen, dann brauchen sie das Spiel. Nicht Halma und Quartett, sondern jede Form von Spielerischem. Musik hören oder selbst musizieren, Kunst, auch Basteln, Tanzen, Theater und Sport treiben. Ohne Zwang, sondern spielerisch. Ich spiele nicht, weil ich muss, sondern, weil ich es kann und darf. Das ist eine Form von Freiheit.

Für mich bekommt das Spielen noch mehr Bedeutung, wenn ich dazu den Text aus der Bibel lese, wo die Weisheit höchst selbst eine Rede hält und sagt: „Ich, die Weisheit, bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich dauernd bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf Gottes Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.“ (Sprüche 8,22-31 i.A.)

Ja, auch die Weisheit ist eine Spielerin. Und ich male mir ein Bild von Frau Weisheit aus. Natürlich Frau Weisheit, denn es heißt ja die und nicht der Weisheit, und das nicht nur in unserer Sprache. Also Frau Weisheit, die sicherlich keine ernst dreinblickende Dame ist, sondern eine heitere Spielerin. Sie lacht und spielt vor Gott. Und sie spielt auf der Erde bei den Menschen. Gott mag die Spielerin Weisheit. Und sie mag die Menschen.

Mir gefällt diese Vorstellung. Und mich motiviert es, selbst etwas spielerischer durchs Leben gehen. Am liebsten würde ich jetzt den Rest des Tages spielend verbringen.

Nur schade allerdings, dass heute noch so viel zu erledigen und zu arbeiten ist. Wobei – ich könnte es ja wenigstens mal versuchen und es etwas spielerischer angehen, ein paar Momente der Freiheit genießen. Ganz Mensch und Frau Weisheit an meiner Seite wissen, die mir zuzwinkert.

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