SWR3 Worte

04OKT2025
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Morgen wird in vielen Kirchengemeinden Erntedank gefeiert. Die Pfarrerin Sabrina Wilkenshof hat einen anderen Blick auf dieses beliebte Fest:

Es gibt eigentlich keinen Sonntag, an dem ich weniger gern in die Kirche gehe als Erntedank. Es ist mir zu viel. Zu viel Überfluss, zu viele Ähren, Kartoffelsäcke, Salatköpfe und Maiskolben mit langen braunen Blättern. Mich stört diese Dekoration, die zu verbergen scheint, wo uns das Ernten wirklich viel Mühe macht. Nämlich nicht auf dem Weizenfeld, sondern auf den unabgegrenzten Feldern unseres Lebens. Dort stehen wir manchmal fassungslos vor den Früchten unserer harten Arbeit. Wir ernten Liebe, Lob, aber auch Schmerzen, Tränen und Enttäuschung.
Manchmal haben wir das Gefühl, reich beschenkt zu werden vom Leben, ganz ohne Anstrengung. Anderes muss ich mir hart erarbeiten, bis mir der Dreck unter den Fingernägeln klebt. Erntedank ist mehr als Kürbisse vor dem Altar. Erntedank ist eigentlich eine Lebensaufgabe. Und nichts ist schöner als das warme Gefühl, das einen durchströmt, wenn man von Herzen dankbar ist für das Leben.

Sabrina Wilkenshof: Wie man den Staub von der Hoffnung putzt. Alte Feiertage in neuem Glanz.

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