SWR Kultur Wort zum Tag
Gerade ist Weinlese. Die hat schon früh begonnen in diesem Jahr – und die Winzer freuen sich über schöne Trauben und gute Öchslewerte. Leider ist die Freude getrübt. Vielen in der Branche geht es nicht gut. Vor allem, wer viel Fasswein verkauft, hat oft noch den Keller voll.
Die Krise wird sich auswirken: Auf eine vielfältige Kultur, die für mich einen großen Schatz in unserem Land ausmacht und einen echten Reichtum darstellt. Wie wird es aussehen in den Weinanbaugebieten in Baden, in Württemberg oder in der Pfalz, wenn die ganzen kleinen Betriebe dichtmachen? Vieles wird sich verändern, auch landschaftlich.
Dabei liegt nicht alles am Weltmarkt, an den hohen Produktionskosten oder an Trumps Zöllen. Auch das Konsumverhalten hat sich verändert: lieber den günstigen Wein vom Aldi als den vom Winzer; und überhaupt: lieber Limo statt Wein, schließlich ist Alkohol nicht ganz ungefährlich.
Tief in meinem Herzen trage ich das Bild meines Großvaters: Der war Winzer, wurde gesunde 90 Jahre alt, und wenn er sich sein Gläschen Wein zum Mittagessen eingeschenkt hat, dann sagte er gerne: „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“. Es ist wohl alles eine Frage der Dosis.
Von der Freude am Wein und am Genuss erzählt auch die Bibel in reichen Bildern: Am liebsten mag ich die Geschichte der Hochzeit zu Kana. Dem Brautpaar war der Wein ausgegangen. Jesus war zu Gast. Maria merkt, was los ist, und sagt zu ihrem Sohn: „Sie haben keinen Wein mehr“. Jesus herrscht sie erst einmal an: „Was hab ich damit zu schaffen?“ Aber dann kümmert er sich doch, und in großen Krügen wird aus Wasser Wein. Der Wein schmeckt besser als der vorherige, und das Fest ist gerettet. Das ist das erste Wunder, das von Jesus im Johannesevangelium überliefert ist. Hier zeigt sich Jesus zuerst als Weinfreund und als Menschenfreund. Mit einem anderen Wort aus der Bibel darf man ihn wohl getrost einen „Gehilfen der Freude“ nennen.
Es ist Weinlese. Keine andere Zeit im Jahr riecht für mich so gut oder schmeckt so genüsslich. Nie glänzt die Landschaft so golden. Die Winzer sind mit ihrer Arbeit auch für mich Gehilfen der Freude. Im ganzen Sendegebiet des SWR ist der nächste Weinort nicht weit. Vielleicht fahren Sie mal hin und spüren dem Satz aus den Psalmen nach: dass der Wein erfreue des Menschen Herz? Viel Spaß dabei wünscht Ihre Verena Schlarb aus Heidelberg von der Evangelischen Kirche.
Wir weisen darauf hin, dass Alkoholkonsum ein Risikofaktor für mehr als 200 Erkrankungen ist. Der unkontrollierte Konsum von Alkohol kann zur Sucht führen.
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