SWR Kultur Wort zum Tag
Bei uns ist Nachwuchs unterwegs. Wenn alles gut geht, haben wir bald vier Kinder, und wir freuen uns über dieses große Glück. Ich erzähle Ihnen das, weil es für uns total interessant ist, wie einige auf diese Nachricht reagieren. Das unterscheidet sich doch ziemlich zu den vorherigen Schwangerschaften.
Einige Beispiele: Viele freuen sich sehr mit uns. Andere sind total verwundert. Damit haben sie nicht gerechnet und sagen das auch so. Mein Mann und ich sind eben nicht mehr 35. Viele Eltern von drei Kindern scheinen das Gefühl zu haben, sich rechtfertigen zu müssen, warum sie kein Viertes haben. Einige erzählen sofort, dass sie lange überlegt haben, ob sie noch ein Kind bekommen wollen. Manche Leute fragen direkt: War das geplant? Oder Eine meiner Lieblingsfragen: Wie alt bist du denn jetzt? Und dann kommt oft sowas ganz Konkretes, wie: ja und wie machst Du das mit dem Job? Stillst Du denn?
Ich bin ganz sicher, niemand meint es böse. Aber einige dieser Reaktionen finde ich zumindest befremdlich.
Ich glaube, diese schnelle Intimität kommt daher, dass eine Schwangerschaft Urgefühle oder Urthemen anrührt. Schwangerschaft und Geburt sind einfach eine Naturgewalt. Überbordend, wunderbar und auch total anstrengend, völlige Entäußerung. Da übernimmt jemand anderes das komplette Kommando über meinen Körper. Und damit hat jeder Mensch so ihre oder seine Erfahrungen. In alle Richtungen. Da geht es eben ans Eingemachte. An das, was ich selbst erlebt habe rund um schwanger sein oder nicht, Geburt, eigene Kindheit, eigene Kinder, Kinderlosigkeit.
Vielleicht sind deshalb viele Menschen direkt bereit viel von sich preiszugeben. Das finde ich beeindruckend. Es zeigt, wie existenziell das Ganze ist, und es öffnet Türen.
Auf der anderen Seite ist mir das ehrlicherweise manchmal zu viel, und ich fände es prima, wenn sich das Gegenüber erstmal einfach nur mitfreuen würde. Und dann können wir ja sehen, was sich im Gespräch entwickelt und wie tief wir gehen wollen und können. Aber so direkt voll rein, da bin ich manchmal erst vor den Kopf gestoßen.
Gerade weil das Thema so persönlich und sensibel ist, denke ich, müssen alle damit behutsam und verantwortungsvoll umgehen. Sich selbst und anderen gegenüber.
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