SWR4 Abendgedanken

26SEP2025
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Was war dein Lieblingslied, als Du ein Kind warst? Einer meiner Brüder nagt am Stift. Die Enkelgeneration möchte, dass wir uns in ihre Freundesbücher eintragen. Da wird allerhand abgefragt: Lieblingsessen als Kind, Lieblingsspiel, und eben auch das Lieblingslied. Aber meinem Bruder fällt nichts ein, obwohl wir zu Hause wirklich sehr viel gesungen haben. Da erinnere ich mich an mir unser Gute-Nacht-Lied als Kinder. Es hieß: „Breit aus die Flügel beide“. Unsere Mutter hat es jeden Abend mit uns gesungen: „Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein. Will Satan mich verschlingen, so lass die Englein singen: „Dies Kind soll unverletzet sein.“  Auch ich habe es an den Betten meiner Kinder gesungen und jetzt teilweise noch für die Enkelkinder. Stimmt, sagt mein Bruder, das hatte ich fast vergessen, das habe ich geliebt!, und schreibt es ins Freundesbuch des Vierjährigen.

Es ist eine Strophe aus „Nun ruhen alle Wälder“ aus dem Evangelischen Gesangbuch (Nr. 477). Ein altmodisches Lied, mit altmodischen Bildern und einer etwas angestaubten religiösen Denkweise. Vor allem das Bild vom Satan fand ich immer schwierig. Dann sage ich den Kindern, dass das ein Bild für das Böse und Gefährliche ist. Das verstehen sie gut. Aber die Flügel, die über sie ausgebreitet sind, die hören sie genau und verstehen sie noch besser und entspannen sich zum Schlafen. „Bitte nochmal „die Flügel“ singen“, sagt darauf prompt der Vierjährige, der immer schwer in den Schlaf findet.

Paul Gerhard hat dieses Lied geschrieben, noch im Dreißigjährigen Krieg, dessen Elend und Verzweiflung wir uns gar nicht vorstellen können: Die Welt ein Jammertal, die Menschen ausgelaugt und müde von der ewigen Not. Und es ist immer noch kein Ende in Sicht. Aber wie sollen sie da am Abend schlafen gehen, mit all der Mühe und Sorge? Und mit dem Entsetzen über all das, was sie tagtäglich erleben und ertragen müssen?

Für einen frommen Dichter wie Paul Gerhard war die Lösung: Vertraue dich Gott und Jesus und den Engeln an. Deine Seele wird Ruhe finden für diese Nacht, für den Schlaf. Und dann schreibt er ganz kindlich seinen Wunsch, dass goldene Waffen und eine Schar Engel den Menschen in der Nacht beschützen: „Gott lass euch selig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Engel Schar.“ Ich wünsche allen einen ruhigen Abend und später einen seligen Schlaf!

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