SWR4 Abendgedanken

23SEP2025
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Oh Nein. Das ist ja oberpeinlich! Gerade habe ich mich noch so gefreut. In einem kleinen Lädchen hatte ich zwei wunderschöne Blusen gefunden. Noch dazu mit einem Rabatt zum Ende des Sommers. Die Ladeninhaberin sagt: Das sind meine schönsten Stücke! Recht hat sie. Spontan beschließe ich: Genau meine Farben. Die nehme ich mit! Für den nächsten Sommer! Aber dann das: an der Kasse bemerke ich, dass ich meine Bank-Karte nicht dabeihabe. Und nicht genug Bargeld.

Da stehe ich nun ziemlich dumm da. Schon lege ich in Gedanken die Blusen wieder zurück. Die Ladeninhaberin schlägt vor, ich soll schnell heimgehen und die Karte holen. So lange bewahrt sie die Blusen für mich auf. Aber das geht nicht, ich bin eine Autostunde von meinem Zuhause entfernt. Ratlos für einen Moment stehen wir beide an der Kasse. Bis sie sagt: „Dann nehmen Sie die Blusen mit und überweisen mir heute Abend den Betrag.“ Das ist ein Angebot!  Also lege ich ihr meinen Personalausweis vor, damit sie meine Daten abschreiben kann. Nein, sagt die Dame. Sie braucht keine weiteren Informationen von mir. Sie vertraut mir, dass ich das Geld überweisen werde. Dann sagt sie noch, dass sie es immer so gehalten hat mit ihren Kundinnen, seit vielen Jahren. Und auch in Zukunft will sie ihren Kundinnen vertrauen.

Da bin ich dann doch sprachlos. Denn sie kennt mich wirklich nicht. Sie weiß auch nicht, dass ich mich tatsächlich keine Sekunde an einer Bluse freuen könnte, die ich nicht ordentlich bezahlt habe.  Umgekehrt will ich ja auch anderen Menschen vertrauen. Klar, leichtsinnig bin ich nicht. Das wäre sträflich. Hereingefallen bin ich auch schon, in kleineren Dingen. Aber meistens hat es geklappt. Meistens wird mein Vertrauen belohnt. So wie bei der Ladeninhaberin.

„Sie haben mir heute eine sehr große Freude gemacht“ – sage ich zu ihr beim Abschied. „Dafür danke ich Ihnen sehr. Ihr großes Vertrauen ist mein Geschenk für meinen heutigen Tag!“

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