Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Dienstagabend 20.30 Uhr. Feierabend. Pling. Mein Handy meldet sich. Nachricht von der Mesnerin: „Herr Brändle. Die Kirchentür stand heute Abend sperrangelweit offen. Ich hab sie zugemacht.“ Ich schreib zurück: Super! Vielen Dank.
Wieder pling. Prompte Antwort: „Das ist doch mein Job.“ Wieder antworte ich: Trotzdem danke.
„Das ist doch mein Job.“ An dem Satz bleib ich hängen. Ja, stimmt. Das ist ihr Job. Aber, warum dann nicht danke sagen? Heißt das, wenn jemand etwas gegen Bezahlung macht, dann ist Dank unangemessen? Das wäre ja schlimm.
Es gibt in unserem Land unendlich viele Menschen, die einen guten Job machen. Von der Ministerin bis zum Müllmann. Vom Vorstandsvorsitzenden bis zur Pflegefachkraft.
Kürzlich hab ich einer Kassiererin beim Rewe gesagt, dass ich mich darüber freue, dass sie immer so freundlich ist und auch bei langen Schlangen vor der Kasse die Ruhe bewahrt. Seither hab ich das Gefühl, lacht sie noch mehr, wenn sie mich sieht. Auch sie macht nur ihren Job. Aber sie macht ihn gut. Und ich bin mir sicher, es tut der Stimmung in unserem Land gut, wenn wir uns das ab und zu auch gegenseitig sagen.
Danke. In diesem Wort steckt nämlich eine revolutionäre Kraft. Ja, dieses Wort kann uns im wahrsten Sinn des Wortes umwälzen, umdrehen. Wenn ich danke sage, dann richte ich meinen Fokus auf das, was ist, und nicht auf das, was fehlt.
Und vielleicht ist die Dankbarkeit ein rettender Schutzwall gegen die Lawine des Negativen, die in unserem Kopf manchmal losgetreten wird.
Ein Beispiel: da sind 20 Mitarbeitende. 18 machen einen tollen Job. Zwei nicht. Die Gefahr, vor lauter Ärger über die zwei die Freude über die 18 anderen zu vergessen, ist riesig. Aber sie ist nicht unausweichlich.
Auch deshalb nehme ich mir jeden Abend vor dem Einschlafen kurz Zeit, um Danke zu sagen. Ganz still für mich denke ich dann an Menschen, die mir an dem Tag gutgetan haben und danke meinem Gott.
An dem Dienstagabend übrigens auch für die Mesnerin, die den tollen Job macht. Und oft noch Blumen aus dem eigenen Garten auf den Altar stellt.
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