Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Es sind nur zwei Buchstaben, die gerade vielen Leuten Angst machen: K und I. KI. Künstliche Intelligenz. Laut einer aktuellen Umfrage lösen sie bei 34 % der Menschen in Deutschland Angst aus. Auch die Angst, ersetzbar zu sein und nicht mehr gebraucht zu werden. Manche Unternehmen haben es sogar schon beziffert, wie viele ihrer Aufgaben in ein paar Jahren von einer KI erledigt werden.
Wie immer sind auch im Umgang mit dieser Angst zwei Dinge wichtig: Zum einen: es hilft nicht, sie unter den Teppich zu kehren. Und zum anderen: Sie ist ein schlechter Ratgeber.
Aber was hilft dann? Möglicherweise ist gerade die Tatsache, dass KI in vielen Fällen so unfassbar perfekte und nicht angreifbare Ergebnisse liefert, ihre größte Schwäche.
Denn absolute Perfektion ist zwar einerseits faszinierend, kann auf Dauer aber auch sehr langweilig sein. Weil etwas fehlt. Die Angriffsfläche, das Berührbare.
Ich glaube, das ist unser menschlicher Mehrwert. Da machen wir den Unterschied. Als berührbare, angreifbare, und eben nicht makellose Originale. Wir mit unserem gelebten Leben, unseren Geschichten, die wirklich passiert sind, auch mit unseren Narben.
Vor einigen Wochen habe ich eine Predigt gehalten. An einer Stelle habe ich von meinen Geschwistern erzählt. Durchaus persönlich. Und da musste ich auch kurz schlucken. Konnte nicht gleich und rhetorisch perfekt weitersprechen. Weil ich berührt war. Einem Roboter wäre das wohl nicht passiert. Der hätte glatt drüber weggelesen. Nach dem Gottesdienst kam eine Frau auf mich zu und hat sich bei mir bedankt. Vor allem für diesen Moment, in dem ich von meinen Geschwistern erzählt habe. Weil das so greifbar war. Und ich habe gemerkt: Das ist es, was ich will: Greifbar werden. Auch angreifbar, und gerade so den Unterschied machen.
Und wenn wir das jeden Tag versuchen, uns zeigen, so wie wir sind, gerade auch mit den Macken, die wir haben, und den Narben, ich glaube, dann machen wir den Unterschied.
Die KI wird bleiben, definitiv, aber wir auch. Als Menschenkinder. Als Gottes-Kinder, der uns ja erstaunlicherweise eben gerade als angreifbare, unperfekte und doch wunderbare Wesen auf unsere Lebensreise geschickt hat.
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