SWR Kultur Wort zum Tag

19SEP2025
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„Beim Glauben geht es nicht darum, Beweise zu haben. Es geht darum, was dich aufrecht hält, wenn es keine Beweise mehr gibt.“

Diesen Satz hat mir einmal jemand gesagt. Und er ist geblieben. Nicht, weil er besonders klug oder originell klingt. Sondern weil er so ehrlich ist. So nüchtern. Und zugleich so tröstlich.

Ich wünsche mir oft Gewissheit. Beweise, schwarz auf weiß, für das, was ich glaube. Dass es Gott gibt. Dass Gebete etwas verändern. Dass mein Leben einen Sinn hat. Aber manchmal stehe ich da – und sehe: nichts. Keine Spur von Gott. Keine Antwort. Nur Fragen. Und Zweifel.

In solchen Momenten wird mein Glaube aber nicht weniger wichtig. Sondern vielleicht erst richtig bedeutsam. Weil er dann nicht mehr nur eine Theorie ist. Sondern etwas, das trägt. Mich aufrecht hält.

Ich denke an eine ältere Frau aus der Gemeinde. Ihr Mann war gestorben. In der Kirche saß sie allein in der letzten Bank. Immer mit Tränen in den Augen. Und doch kam sie jeden Sonntag. Ich habe sie einmal darauf angesprochen. Da hat sie gesagt: „Ich komme, weil ich sonst nicht mehr weiß, wie ich durch die Woche kommen soll.“

Kein Beweis für Gottes Gegenwart. Kein Wunder, das ihre Tränen in ein Lachen verwandelt hätte. Aber etwas, das sie gehalten hat.

Auch die Bibel erzählt von Menschen, die diesen Glauben erfahren: Abraham zum Beispiel, bricht auf, – ohne Ziel, ohne Beweis, nur mit einer Verheißung im Herzen. Oder Hiob: Er verliert alles, Besitz, Gesundheit, Familie – und lässt trotzdem nicht los! Oder Jesus selbst: Er schreit am Kreuz, dass er sich verlassen fühlt. Und sagt doch: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“

Glaube ist nicht immer stark. Manchmal ist er nur ein Versuch, zu glauben. Ein letzter Rest Vertrauen. Ein Gebet in der Nacht. Ein Schritt weiter – ohne zu wissen, wohin.

Aber vielleicht ist gerade das der tiefste Glaube: Nicht, wenn ich alles verstehe, sondern wenn ich trotzdem nicht aufhöre zu hoffen. Wenn ich mich halten lasse – von etwas, das größer ist als ich selbst. Von einem Gott, der nicht beweisbar ist. Aber erfahrbar. Im Rückblick. In stillen Momenten. In der Kraft, weiterzugehen. Im Mut, nicht aufzugeben.

Ich glaube heißt nicht: Ich weiß alles. Sondern: Ich bleibe. Ich gehe weiter. Ich halte mich fest. An dem, der mich hält.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42933
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