Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

17SEP2025
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Im Krankenhaus habe ich mal einen ungefähr 50-jährigen Mann kennengelernt – da war er naturgemäß im OP-Hemd, weil er einen schweren Motorradunfall gehabt hatte. Ich sah ihn vor mir in Lederklamotten, mit Stiefeln, Handschuhen und Helm, auf einer schicken Harley oder so, und wollte grade anfangen, ihn wegen des Unfalls zu bedauern. Da sagte er, er sei erleichtert. Er nähme es als Buße. Er war als Sicherheitsmann auf Farmen in Afrika gewesen; mit dem Gewehr habe er die Reviere verteidigt. „Und dann auf große Tiere geschossen?“, fragte ich.

 „Auch“.

Das Wort schwebte zwischen uns und langsam dämmerte es mir: er hatte Menschen verjagt, notfalls erschossen, die unerlaubt auf die Grundstücke seiner Arbeitgeber eindringen wollten. Da musste ich erst mal atmen. Den Motorradunfall hatte er als Strafe Gottes empfunden. Ich glaube nicht, dass Gott so straft. Er verurteilt sicher die Tat, aber dem Menschen, diesem Täter, gibt er noch eine Chance. Wenn der ernsthaft bereut.

Aber ich glaube, dass wir in der Sterbestunde etwas erkennen werden. Wie war ich von Gott her gedacht. Welche Möglichkeiten hatte ich, ein guter Mensch zu sein, das Gebot der Nächstenliebe zu erfüllen.

Und dazu, möglicherweise im Gegensatz: wie war ich wirklich. Was habe ich Gutes unterlassen, das vor allen Dingen, und was habe ich Böses getan.

Die meisten von uns beruhigen sich ja mit dem Gedanken, nicht zu viel Böses zu tun. Aber ich unterlasse es oft – Sie vielleicht auch – das Gute zu tun.

Die Pfadfinder haben ja den Grundsatz: jeden Tag eine gute Tat.

Das sollte nicht die aus vielen Witzen bekannte alte Dame sein, die man über den Zebrastreifen begleitet, obwohl sie gar nicht auf die andere Straßenseite will.

Nein, echte kleine gute Taten: Das kann wirklich jeder, auch wenn er oder sie kein Pfadfinder ist.

Es ist noch früh am Tag.  Irgendwas Gutes wird mir heute schon einfallen.

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