Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Ich setze mich ins Auto, starte den Motor, sofort geht auch das Radio an. Der erste Ton schon katapultiert mich nach Schottland. Dudelsackmusik, ich höre sie und bin schwups in den Highlands, Nähe Pitlochry. Ich sehe Dudelsackpfeifer im Schottenrock, mit weißen Kniestrümpfen und der kleinen Gürteltasche. Sie stehen mit ihren Dudelsäcken auf den Hügeln. Vielleicht wollen sie den Touristen eine Freude machen. Vielleicht ist es auch zuhause zu laut, wenn sie üben, und die Familie beschwert sich. Jedenfalls bin ich in weniger als einer Sekunde in einer wunderbaren Welt voller Erinnerungen, Sehnsucht und Glück.
Und jetzt mach ich eine steile Kurve in den Himmel. Manche stellen sich das ja so vor, dass wir auf Wölkchen sitzen und ewig Harfe spielen und dass das ziemlich langweilig wird. Ok, ich weiß es ja auch nicht.
Aber auf einem Wölkchen sitzen, finde ich nicht schlecht. Da ja kein Körper im Himmel sein kann, nur die Seele, stelle ich mir meine Wolke so vor wie einen Sitzsack.
So wie der sich an meinen Körper anpasst, so passt sich die Wolke an meine Seele an; jedenfalls ist es bestimmt bequem da.
Wenn schon mein kleiner Geist mich durch ein paar Töne Dudelsack in die Highlands beamen kann, dann wird doch sicher auch der Geist des Allmächtigen mich in den Himmel katapultieren können. Und warum sollte ER nicht jedem Menschen auf seinem Wölkchen die Musik auf die Ohren geben, die dieses Individuum erfreut?
Egal ob Bach oder die Beatles, egal ob Rolf Zuckowski oder Frank Zappa, egal ob Dudelsack oder Drums.
Und dann das mit der Ewigkeit. Zeit ist, so glaube ich, eine irdische Kategorie, gibt’s im Himmel nicht. Keine Sekunden, Minuten, Stunden, keine Tage oder Jahre, nur JETZT.
Also irgendwann dann auf meinem gemütlichen Wölkchen mit Dudelsackmusik im Ohr den Himmel genießen, darauf könnte ich mich freuen.
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