Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

15SEP2025
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Viele Menschen haben um diese Tageszeit Hektik: schon unterwegs im Auto zur Arbeit oder noch zuhause und alles vorbereiten für Kita, Schule, Arbeit und so. Frühstück, Klamotten, wo ist der Autoschlüssel, wer macht was?  Alltagshektik.

Kenne ich von früher, aber auch als Rentnerin renne ich durch meine Tage. Rentnerin kommt ja von rennen; habe ich mittlerweile kapiert.

Aber da ich ja Theologin bin, geht mir dann automatisch der schöne Text aus der Bibel durch den Sinn: Alles hat seine Zeit. Uralt, dieser Text, von 300 vor Christus ungefähr, und total aktuell.

Alles hat seine Zeit: geboren werden und sterben, pflanzen und ernten, weinen und lachen, schweigen und reden, Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.  Für mich füge ich noch hinzu: rennen und ausruhen hat seine Zeit.

Als Rentnerin habe ich mehr Zeit als früher, das zu tun, was mir Freude macht. Aber eigentlich konnte ich schon immer Schönes auch im Alltag finden: sowohl in der Arbeit selbst als auch nach Feierabend. So geht es vermutlich den meisten Menschen.  

Es gibt Zeit für alles, was wichtig ist. Fast jeden Tag gibt es schöne Momente. Wir müssen uns nur die Zeit nehmen, das auch zu bemerken, aber den Moment dafür gibt es immer.

Wenn ich sonntags mit Helga meine 10.000 Schritte gehe, dann besprechen wir immer die Sorgen der Woche, das blöde, was passiert ist, was uns belastet hat. Da gibt es genug. Und plötzlich unterbrechen wir, weil uns ein Spinnennetz mit Diamanten auffällt – Regentropfen, aber sie sehen aus wie Diamanten.  Oder eine schnelle Raupe. Husch, ist sie am Wegesrand verschwunden.

Soviel Zeit muss sein, sagt man manchmal, um zum Beispiel beim Schauspieler Sean Connery den Sir hinzuzufügen: Sir Sean Connery.

Soviel Zeit muss sein, in aller Tageshektik den schönen Moment zu bemerken.

Auch heute.

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