SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
„Hallo Frau Peters“, schallte es über den Krankenhausflur. Ich war da erst drei Wochen die Krankenhaus-Seelsorgerin in Mayen und der Krankenpfleger hatte sich schon meinen Namen gemerkt. „Sie haben aber ein gutes Namensgedächtnis“. Er: „Ich hieß früher auch Peters.“
„Ach, haben Sie den Namen Ihrer Frau angenommen?“ „Meines Mannes.“
„Ja klar, blöd von mir, ich hab Sie beide doch schon zusammen gesehen. Wie heißen Sie jetzt?“ „Wiese.“ „Das ist auch echt schöner als Peters.“
Diese kurzen kleinen Kontakte im Krankenhaus schaffen Verbindung; ich liebe das.
Und was genau war da jetzt blöd von mir?
Na, dass ich ihn in eine Schublade gesteckt habe. Der „Norm“-Mensch heiratet jemanden des anderen Geschlechts und nimmt vielleicht den anderen Namen an. Männer heiraten Frauen und Frauen Männer, so haben wir das abgespeichert, obwohl wir eigentlich wissen, dass es auch Menschen gibt, die anders lieben.
Vielleicht war die Bemerkung von Herrn Wiese nicht nur die Wahrheit, sondern auch ein Test. Ich war ja in dem Moment die katholische Kirche in diesem Krankenhaus. Vielleicht wollte Herr Wiese testen, ob ich seine Lebensweise verurteile.
Wir haben uns danach öfters unterhalten. Er hatte schon seine Leidensgeschichte mit der katholischen Kirche, aber in den letzten Jahren ist es besser geworden, meinte er.
Wenn Gott diese ganze bunte Welt gewollt hat, dann sind in seinem Herzen Liebende jeder Couleur abgebildet. Und nicht nur Liebende, sondern auch die ganzen anderen Verschiedenheiten, die wir in der Welt entdecken: Männer und Frauen, Reiche und Arme, verschiedene Hautfarben und Religionen, alle möglichen Menschen.
Gott, so stelle ich mir vor, ist nicht einfältig. Er ist männlich und weiblich und divers.
Gott ist vielfältig.
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