SWR4 Abendgedanken

19SEP2025
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Das Feuer lodert ruhig vor sich hin. Mal raucht es stark, dann wieder große Flammen. Gemeinsam sitzen mein Mann und ich um die Feuerschale auf unserer Terrasse und beobachten das Züngeln der Flammen. Der Geruch von verbranntem Holz lässt mich dabei immer an mein Auslandsjahr vor knapp 20 Jahren in Schweden denken. Bei meinen Gasteltern hat das ganze Haus immer nach verbranntem Holz gerochen – kein Wunder, denn der offene Kamin brannte gefühlt die Hälfte des Jahres. Ich verbinde diesen Geruch deshalb mit nach Hause kommen, Gemütlichkeit und Wohlig-Sein.

Doch Feuer kann auch bedrohlich sein und Leben zerstören, wie der Prophet Joel zu Beginn des Prophetenbuches beschreibt. Dort schreibt Joel: Zu dir rufe ich, HERR; denn Feuer hat das Gras der Steppe gefressen. Die Flammen haben alle Bäume auf dem Feld verbrannt. Auch die Tiere auf dem Feld schreien lechzend zu dir; denn die Bäche sind vertrocknet.“ (Joel 1,19-20)

 Diese Worte lassen mich an diverse Waldbrände denken, die auch in diesem Jahr wieder verschiedene Regionen in der Welt niedergebrannt haben. Es ist die erschreckende andere Seite des Feuers. Die verzehrende Seite.

Auch bei Joel geht es um diese zerstörerische Seite des Feuers: Das Buch beginnt mit dem Rückblick auf eine wirtschaftliche Notsituation. Doch Joel hat eine Idee, wie man gemeinsam diese Misere beenden kann. Joel ist ein Prophet. Das heißt er vermittelt zwischen Gott und den Menschen. Er ist eine Art Botschafter und für ihn ist klar: Die Menschen sollen sich in ihrer Not an Gott wenden. Joel ist sich sicher: sobald die Menschen wieder auf Gott vertrauen und zu ihm beten, wird alles gut werden. Und tatsächlich: Gott sieht die Not der Menschen.

Der Prophet Joel behält also recht: Das Volk kehrt um und Gott wendet die Not zum Guten. Er schenkt Regen, um die Brände zu löschen. Das Volk feiert und jubelt daraufhin über Gottes Wirken. Gemeinsam singen sie: „Juble vor Freude, denn der Herr hat Großes getan! Denn er sorgte für Regen im richtigen Maß.“ (Joel 2,23)

In dieser biblischen Geschichte findet also alles ein gutes Ende. Das Feuer wird gelöscht. Die große Not abgewandt, weil Gott durch Regen im richtigen Maß hilft.

Die Worte des Propheten Joel ermutigen mich. Sie erinnern mich daran, dass Gott die Nöte der Welt sieht. Nicht immer erkenne ich direkt, wie er hilft, doch ich weiß, dass ich mich jederzeit an ihn wenden kann. Dass er niemanden in der Not alleine lässt. Selbst wenn alles hoffnungslos erscheint.

Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche

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