Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Wieder September - „Schöpfungszeit“. Jedes Jahr erinnern die Kirchen daran, die Schöpfung zu bewahren. Wir sollen sie gut behandeln, unsere Erde. Ja, das wissen wir. Und doch wieder ein Jahr der Rekorde: Hitze, Brände, Überschwemmungen. Auch das wissen wir. Und tun zu wenig dagegen. Man könnte verzweifeln an uns Menschen.
Vielleicht fehlt zum Wissen noch etwas anderes: die Weisheit und die Liebe zur Schöpfung. Vielleicht fehlt uns Sophia. "Ich war fröhlich, dass es den Erdkreis gab, und hatte meine Freude an den Menschen." So erzählt sie in der Bibel: Sophia, griechisch „die Weisheit“. Wie sie sich freut, über unsere Erde und uns Menschen. Wie sie lacht und tanzt, mit Gott, dem Schöpfer.
Wer Sophia, also „Weisheit“ heute im Internet googelt, findet schnell den Satz: „Ich habe unendlich große Weisheit.“ Gesagt von einem Politiker, der über alles und alle hinweg-trumpelt. Mit diesen Schlag-drauf-und-Schluss-Lösungen die manchen auch hierzulande gefallen: „Klimawandel, alles nur fake news“ oder „alles die Chinesen, wir können eh nix ändern.“
Pseudoweisheiten aus dem Bauch heraus. Da schüttelt Sophia nur den Kopf. Denn sie hat Kopf und Bauch. Und Hand und Fuß dazu. „Weisheit ist die Fähigkeit, bei Herausforderungen die sinnvollste Handlungsweise zu finden“, lautet die Definition für Weisheit. Sophia oder lateinisch Sapientia. Wie „Homo Sapiens.“ Der Mensch ist geschaffen, weise zu handeln. Klug und weitsichtig.
„Wir schaffen das“, hat Angela Merkel vor zehn Jahren gesagt. Ein Satz, den sie nie bereut habe. „Ja, wir müssen weiter für Menschen da sein“, meint sie jüngst in einem Interview „und beherzter den Klimaschutz angehen“. Das habe sie versäumt. „Aber wir schaffen vieles, wenn wir Fehler eingestehen. Und neu anpacken“. Da tanzt und lacht Sophia. Denn das ist wirklich weitsichtig.
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