SWR Kultur Wort zum Tag
Zuerst waren da seltsame Geräusche: so ein Rascheln, Schaben, manchmal ein Knabbern an Holz und vor allem auch ein Pieps-Ton, ein leises Pfeifen unter dem Terrassenboden, in der Ecke zum Wintergarten. Ich hörte nichts – Ehefrau Margret hat die besseren Ohren. Haben wir Ratten? Sind es die Mäuse? Mäuse-Dreck und unangenehme Mausgerüche hatten wir ja schon mal gehabt. Waschbär? Siebenschläfer? …
Tiere – unerwünschte Tiere in Haus und Garten zumal: sind oft ein Problem. Gar nicht zu reden von den Schnecken, die bei uns fast jedes Gemüse vernichten – und leider auch viele Blumen. Umso willkommener, was wir dann entdeckten: Die Terrassen-Geräusche kamen von einem Igel, der da ein sicheres Versteck gesucht und gefunden hatte. Schön – der tut bestimmt auch was gegen die Schneckenplage. Und vielleicht fängt er ja sogar auch Mäuse. Also haben wir versucht, unseren Gast möglichst wenig zu stören. Wenig Lärm machen auf der Terrasse; vorsichtig sein beim Blumengießen – solche Sachen eben.
Die ganze Wahrheit entdeckte sich nur allmählich. Ob ein Igel so seltsam piepst? Eines Abends im schönen Spätsommer entdeckt meine Frau dann zwei Igel – den großen kannten wir schon; und ein Jungtier. Noch ein bisschen klein, dachten wir. Ob er wohl sein Mindestgewicht kriegt, damit er den ersten Winter überlebt?
Noch ein paar Tage – und wir sehen: Zwillinge. Die Igelmutter hat zwei Kleine bei sich. Toll. Abenteuerlich. Wir haben sie dann ein wenig gefüttert – im Garten war einfach zu wenig Wasser – und es gab fast keine Schnecken. Und so kleine Tiere lösen einfach mütterlich-fürsorgliche Gefühle aus.
Unsere Igel sind dann leider weitergezogen, statt bei uns zu überwintern. Erinnern uns aber doch an die „Schöpfungszeit“: zu der laden jetzt gerade wieder die Kirchen im ganzen Land ein. Motto: „Gott, du hilfst Menschen und Tieren“. Dafür danken Christenmenschen ihrem SchöpferGott – und versuchen, auch ihrem Schöpfungs-Auftrag zu entsprechen: Die Erde zu nutzen und zu schützen damit auch kommende Generationen sie noch bewohnen können. Ist ja ziemlich dringend, angesichts von Dürre und Hitze und Klima und so.
Am vierten Oktober endet dieses Jahr die Schöpfungszeit. Das ist dann auch das Fest des heiligen Franziskus von Assisi. Für den waren alle Geschöpfe Schwestern und Brüder. Mit ihm zusammen haben wir unsere Schwester Igelmutter und ihre beiden Kleinen begrüßt und sie wieder verabschiedet… Auch wenn ihr jetzt anderswo seid: Wir tun was für euch! Versprochen.
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