SWR Kultur Wort zum Tag

11SEP2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Gerade wenn es frisch geregnet hat im Sommer, kriechen  ja die Schnecken aus allen Verstecken – immer auf der Suche nach leckerem Grünzeug oder nach Paarungs-Möglichkeiten. Ich bin viel mit dem Rad unterwegs, am liebsten auf Feldwegen und im Grünen – und seltsamerweise, finde ich, schleimen da besonders viele Schneckentiere herum. Obwohl es ihnen da ja eigentlich zu trocken ist – ganz zu schweigen von der Lebensgefahr.

Lebensgefahr einfach durch so viel Verkehr. Na gut, weniger als auf der Straße – aber hier wandern die Leute, sind Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs... Und da mache ich bei mir selbst eine seltsame Beobachtung: Gelegentlich mal überkommt mich so eine kleine Wut; die Viecher haben wieder unseren ganzen Salat vernichtet. Und hier auf dem Weg scheinen sie beinah zu demonstrieren: wir sind noch da. Also: drüberfahren, Schnecke platt machen. Wie gesagt: eine kleine Wut. Und mal kurz vergessen, was ich mir doch eigentlich vorgenommen habe: Gottes Schöpfung zu bewahren und zu beschützen. Mit ihr zu leben statt gegen sie. Und auch Schnecken sind Gottes Geschöpfe – wenn auch lästig, manchmal. Trotzdem jetzt einfach mal draufhalten…

Aber das misslingt ganz häufig; irgendein innerer Impuls lässt mich im letzten Augenblick doch wieder einen kleinen Schlenker machen, kaum bemerkbar, ungefährlich für mich auf dem Rad; aber lebensrettend für das Schneckentier. Als hätte der Schöpfer-Gott mir eine Hemmung, einen Instinkt mitgegeben, der sogar stärker wäre als meine kurze Vernichtungswut. Ja, kenne ich auch zu Hause: Fliegen und Wespen und Spinnen versuchen wir einzufangen, mit Glas und Papier oder mit einer extra Schiebefalle, und sie dann nach draußen zu setzen. Schon, weil Totschlagen so hässliche Flecken an der Wand machen würde. Auch da widerstehe ich der ersten Vernichtungs-Wut.

Und bin dankbar, dass da so eine instinktive Hemmung zu sein scheint – hoffentlich ja auch bei anderen Menschen. Die sollte und müsste noch stärker werden – vielleicht lässt sie sich ja trainieren? Jetzt im September laden die Kirchen zur Schöpfungs-Zeit ein; Christenmenschen denken an den Schöpfungs-Auftrag: die Erde zu bebauen und zu bewahren – auch für sich selbst und die nächsten Generationen. Und wenn dieser Auftrag instinktiv doch schon in den Menschen angelegt ist: Wäre sicher gut für sie und die ganze Welt – und im Zweifel: ausbaubar.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42904
weiterlesen...