Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Irgendwann muss auch mal Feierabend sein! Diese Erkenntnis ist nicht neu – aber sie wird ziemlich oft ignoriert. In Büros, wo Menschen das Gefühl haben, als letzte gehen zu müssen, um nicht als erste entlassen zu werden. Oder bei Paketzustellern, bei denen die Schicht nicht nach acht Stunden endet, sondern erst, wenn das letzte Päckchen ausgeliefert ist.
Irgendwann muss auch mal Feierabend sein! Wie gut, dass es eine Heilige gibt, die genau dafür zuständig ist: die Heilige Notburga. In meinem Urlaub in Österreich habe ich im Sommer das erste Mal von ihr gehört – und war überrascht: Eine Frau, die schon im Mittelalter für faire Arbeitszeiten gekämpft hat! Von Notburga wird erzählt, dass sie einfach mit der Arbeit Schluss gemacht hat, als Feierabend war. Obwohl ihr Chef sie zwingen wollte, länger zu arbeiten. Ganz schön mutig.
Aber nochmal von vorne: Notburga hat um 1300 im heutigen Tirol gelebt. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die nicht aus dem Adel stammt, sondern aus einfachen Verhältnissen kommt. Sie wusste selbst, was es heißt, wenn man ausgebeutet wird und einem jederzeit die Kündigung droht.
Zuerst hat sie als Dienstbotin auf einer Burg gearbeitet. Weil sie die Essensreste aus der Küche an die Armen verteilt hat, wurde sie von ihrer Chefin entlassen. Danach hat sie eine Stelle als Magd bei einem Bauern angenommen. Harte Arbeit und lange Arbeitstage waren an der Tagesordnung – aber eines war schon damals eigentlich klar: Beim Abendläuten endet das Tagwerk für die Arbeiterinnen.
Notburga wollte deshalb beim Klang der Glocken ihre Arbeit auf dem Feld beenden. Aber der Bauer hat es ihr verboten. Da hat Notburga einfach ihre Sichel weggeworfen. Und die, so erzählt es die Legende, ist bis in den Himmel geflogen und ist an der Sonne hängengeblieben. Das hat ihren Chef so erschreckt, dass er in Zukunft immer auf einen pünktlichen Feierabend geachtet hat.
Leider passiert so ein Wunder nicht immer, wenn jemand seinen Job riskiert, um sich für faire Arbeitsbedingungen oder Menschen in Not einzusetzen. Aber über viele Jahrhunderte hinweg hat die Geschichte von Notburga Menschen Kraft gegeben, für ihre Rechte einzutreten.
Der 13. September heute ist übrigens der Gedenktag der Heiligen Notburga. Ich erinnere gerne an sie. Weil ich finde, ihre Geschichte kann auch heute Mut machen, Stopp zu sagen, wenn es am Arbeitsplatz unfair zugeht. Wenn es nie rechtzeitig Feierabend gibt. Oder einer gemobbt wird.
Und wer weiß: Vielleicht geschieht doch ein kleines Wunder, wenn jemand sich traut, den Mund aufzumachen.
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