SWR Kultur Lied zum Sonntag

07SEP2025
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Musik 1: Georg Friedrich Händel: Gloria; Emma Kirkby (Sopran) und Royal Academy of Music Baroque, Leitung: Laurence Cummings

 

Gloria in excelsis Deo! – Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Es kommt festlich und virtuos daher, das „Gloria“ von Georg Friedrich Händel für Solosopran und Streichorchester. Händel ist erst 22 Jahre alt, als er dieses Stück um 1707 für einen katholischen Gottesdienst in Rom komponiert. Weil er in Sachsen aufgewachsen ist, nennen seine römischen Fans ihn den liebenswerten Sachsen, „il caro Sassone“. Diese Fans und Auftraggeber, darunter einige Kardinäle, sind natürlich katholisch. Händel bleibt jedoch zeitlebens seiner lutherischen Religion treu, auch als er später in London wirkt, wo alle anglikanisch waren. Als man ihm dort Bibelverse für eine Krönungsmusik vorschreiben will, entgegnet Händel selbstbewusst und typisch lutherisch: „Ich kenne die Bibel gut und kann die passenden Verse selber aussuchen.“

 

Musik 2: – Laudamus te, benedicimus te, adoramus te, glorificamus te. – Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an, wir rühmen dich.

 

Musik verbindet die Konfessionen. Sie ist schon viel weiter, als die Kirchen insgesamt. Gerne denke ich an meinen ersten Orgellehrer zurück. Er hat als evangelischer Kirchenmusiker auch die Katholiken – wie mich - unterrichtet, für die es weit und breit ansonsten keinen Lehrer gab. Einmal pro Woche fuhr er mit seinem VW-Variant – der war gut und geräumig, wenn man als Dirigent auch mal Pauken transportieren muss – über die Dörfer, um jungen Menschen das Orgelspielen beizubringen. Als guter Lutheraner hat er sich an der Bibel orientiert. Und in der Bibel gibt es, so hat er es mir auf der Orgelbank erklärt, keinen Hinweis darauf, dass er bedürftige Katholiken nicht unterstützen dürfe. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar!

 

Musik 3: Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam. – Wir danken dir, denn groß ist deine Herrlichkeit.

 

Mit dieser Musik will der junge Lutheraner Händel im katholischen Rom eine feste Anstellung erreichen, vielleicht bei einem Kardinal. Hat aber leider nicht geklappt. Mich erinnert diese Musik daran, dass die Kirchen sich noch mehr versöhnen sollten. Die Musik macht es uns vor: In kirchlichen Chören singen viele aus verschiedenen Konfessionen und manche, die eben kulturell interessiert sind. Vieles darf konfessionell verschieden sein, auch musikalisch: die katholische Orchestermesse zum Hochamt und die evangelische Kantate mit Worten aus der Luther-Bibel oder der anglikanische Evensong mit viel Chormusik. Das ist ein großer Reichtum, so reich wie ein Orchester mit seinen vielen Instrumenten. Und Gott selbst macht es uns ja vor: Ein Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist! Warum also nicht ein Christentum in mehreren Konfessionen, die sich gegenseitig achten, in „versöhnter Verschiedenheit“ zusammenwirken und gemeinsam das Abendmahl feiern. An Musik hierfür fehlt es nicht. Händel eignet sich bestens, vom anfänglichen „Gloria“ bis zum kraftvollen „Amen“ am Ende. Da hört man förmlich, wie die irdischen Klänge alle Grenzen sprengen wollen.            

 

Musik 4: Cum Sancto Spiritu in gloria Dei patris, Amen – mit dem Heiligen Geist zur Ehre Gottes, des Vaters, Amen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42887
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