SWR4 Abendgedanken
Höher. Schneller. Weiter. Immer diese Vergleiche. Mich nervt das. Und gleichzeitig merke ich, dass auch ich selbst ständig am Vergleichen bin.
Mein Käsekuchen muss der Beste sein – jedenfalls besser als der meiner Oma. Und: Mögen mich meine Konfis eigentlich? Oder ist die Kollegin im Nachbarort beliebter?
Irgendwie muss ich immer gut, wenn nicht sogar besser oder gar am besten sein.
Schön wär‘s, es ist aber nicht realistisch. Und es setzt wahrscheinlich nicht nur mich immer wieder unter Druck.
Manchmal bin ich eben nur die zweitbeste, habe einen Fehler gemacht oder ich kann etwas gar nicht. Aber wenn ich das dann sage: „Tut mir leid, das liegt mir nicht so gut. Fragen Sie lieber meine Kollegin, die hat ein Händchen für Musik.“ Schwupps - schon bin ich angreifbar. „Die ist unmusikalisch, die kann das gar nicht!“. Ich gebe zu, dass mir das etwas ausmacht. Ich fühle mich dann einfach ein Stück kleiner und schwächer. Und muss mir eingestehen: Ich bin nicht vollkommen.
Beides anzunehmen, meine Stärken und meine Schwächen, bewahrt mich davor hochmütig zu werden. Zu den Schwächen stehen, macht nicht klein, sondern groß. Weil ich weiß, was ich kann und was nicht.
„Hochmut bringt einen Menschen zu Fall. Durch Demut kommt er zu Ehren.“ (Sprüche 29,23, Basisbibel) So heißt es in der Bibel. Und in diesem Satz steckt viel Lebenserfahrung. Nicht höher, schneller, weiter - gut, besser, am besten. Sondern: Du kannst vieles, du musst nicht alles können. Gott hat dir so viele Begabungen geschenkt. Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, mach dich aber nicht größer als du bist. Sei du selbst. Tu, was du kannst, stehe zu dem, was du nicht kannst. Du kannst an deinen Schwächen arbeiten, aber du musst auch nicht alles können.
Mich entlastet das. Ich muss nicht alles können. Gott weiß, dass niemand alles kann. Auch ich nicht. Und er liebt mich trotzdem. Mit meinen Schwächen. Und deshalb kann ich auch zu diesen stehen, kann mich mit dem einbringen, was ich wirklich kann. Und kann das beruhigt abgeben, was andere besser können. Ohne mich klein zu fühlen.
Also soll Oma weiterhin den Käsekuchen backen und ich lasse die Finger davon. Denn ihrer ist – so finde ich – wirklich der Beste.
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