SWR1 3vor8

31AUG2025
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„Tu Gutes – und sprich darüber!“ So lautet eine Redewendung, die auch in kirchlichen Kreisen gern verwendet wird. Was ja so viel bedeutet wie: „Geh hausieren mit dem, was du kannst. Prahle ruhig ein bisschen, wenn Dir etwas gelungen ist, damit es die anderen auch mitkriegen. Du brauchst dich nicht zu verstecken.“ Ich verstehe schon, warum das so ist. Es gibt zu viel Schlimmes und Falsches auf unserer Welt. Die schlechten Nachrichten finden von allein ihren Weg in die Öffentlichkeit. Da ist es um so wichtiger, dass auch das Gute hinausposaunt wird.

Aber dann wundere ich mich auch, dass diese Einstellung so selbstverständlich dort ihren Platz hat, wo die Maßstäbe Jesu gelten sollen. Der sagt nämlich geradewegs das Gegenteil. Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler (…) tun, um von den Leuten gelobt zu werden! (…)  Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut[1]. So steht es in der Bergpredigt. Der Evangelist Matthäus hat dort das Wesentliche zusammengefasst, worauf es Jesus ankommt. Ich verstehe es als eine Anweisung, demütig zu sein. Wer zu stolz darauf ist, was er selbst erreicht oder geleistet hat, dem steigt das gern zu Kopf. Dann wird er nicht selten für die anderen ungenießbar. Weil er sich für etwas Besseres hält, weil er sich etwas einbildet auf seine Leistung, weil er beginnt, sich zu überschätzen und auf andere herabschaut. In der alten Liste der Todsünden steht der dazu gehörende Charakterfehler an erster Stelle: Hochmut, Eitelkeit, Stolz.

Insofern ist es schon bemerkenswert, dass gerade unter Christen das Sprichwort so auf den Kopf gestellt wird. Es hieß ja bei Jesus so: „Tu Gutes – und sprich nicht darüber!“ Wer heute den katholischen Gottesdienst mitfeiert, hört weitere Bibeltexte, die sich genau damit beschäftigen: mit der Demut. Dass es nicht klug ist, sich selbst auf ein Podest zu stellen. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden[2], sagt Jesus. Und bei Jesus Sirach im Alten Testament klingt das Ganze noch drastischer: Je größer du bist, umso mehr demütige dich, und du wirst vor dem Herrn Gnade finden![3] Hier bekommen wir dann auch die Begründung mitgeliefert. Wer sich darin sonnt, ein guter Mensch zu sein, verliert die Bodenhaftung. Und wer zu sehr nach oben strebt, verliert den Respekt vor Gott. Und das führt fast immer in den Untergang.

 

[1] Matthäus 6,2f.

[2] Lukas 14,11

[3] Jesus Sirach 3,18

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