Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Seit über 30 Jahren wohne ich nicht mehr in meinem Elternhaus im Westerwald. Und doch komme ich immer wieder gerne dahin. Was mich beeindruckt: Wie tief in mir steckt, was ich dort erlebt und erfahren habe. Ich meine damit nicht nur all das, was meine Eltern mir beigebracht und ermöglicht haben. Ich rieche, sehe und höre so vieles immer noch, was mich an diese ersten zwanzig Jahre meines Lebens erinnert: Der Geruch von frisch gebackenem Quetschekuchen. Das Tuckern vom alten Traktor meines Vaters. Der Franzbranntwein meiner Oma. Der Duft, die Geräusche, die Bilder. Sie haben sich tief eingeprägt und ich verbinde damit Heimat. Geborgenheit. Aufgehoben sein.
Davon hat auch der verstorbene Papst Franziskus in seinem Buch „Hoffe“ geschrieben: „Die Kindheitserinnerungen, die wir hüten, jene Bilder, die im Tresor unserer Erinnerungen zu schlafen scheinen und doch lebendig werden …, wenn wir nur einen bestimmten Duft riechen oder den Refrain eines alten Liedes wieder hören … dürfen (wir) nicht vergessen.“ Denn im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, schreibt der Papst, seien sie unersetzlich, wenn wir die menschliche Liebe und Poesie retten wollen.*
Ja, davon leben wir zutiefst. Die Erfahrungen aus frühen Kindheitstagen. Sie prägen uns ein Leben lang. Die schönen wie auch die schrecklichen. Ich hoffe sehr, dass jedes Kind so viele gute und schöne Erfahrungen machen kann wie möglich, und so wahre Schätze sammeln darf. Damit ein Duft, ein Geräusch oder ein Bild uns - auch als Erwachsene - mit dem verbindet, was uns Tag für Tag trägt und hält: Menschliche Liebe.
* Papst Franziskus: Hoffe. Die Autobiographie. Kösel-Verlag München 2025, 366/367.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42875