SWR3 Gedanken

04SEP2025
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Bekannte von mir erwarten ihr erstes Kind. Als wir uns über Erziehung unterhalten, bleiben wir bei einer Frage hängen: Wie viel Schmerz gehört eigentlich zum Leben dazu?

Wir erinnern uns an eigene Kindheitserfahrungen: Schlechte Noten, der Streit mit einem Freund, ein Sturz mit dem Fahrrad: keine schönen Erlebnisse. Schmerzhafte Erlebnisse, die aber geholfen haben Widerstandskraft aufzubauen, für das, was im Leben noch auf uns zugekommen ist. Aber: Wie viel davon ist nötig? Und wann ist es zu viel?

Ich hab noch weiter nach unserem Gespräch darüber nachgedacht. Und kam irgendwann drauf: Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, wieviel Schmerz zu viel oder wenig ist.

Sondern viel eher: Wie sehr man sich in all dem Schmerzhaften getragen fühlt. Ich erinnere mich nochmal daran, wie ich das erste Mal mit dem Fahrrad richtig gestürzt bin. Das war sehr schmerzhaft. Trotzdem ist es keine Erinnerung, die ich am liebsten vergessen würde. Denn ich erinnere mich auch daran, wie meine Eltern für mich da waren. Sie haben sich um mich gesorgt und meinen Schmerz ernst genommen.

Am Ende gab es auf den Schreck sogar ein Eis. Sicherlich: Es passieren uns noch weitaus schlimmere Dinge, als ein Fahrradunfall mit aufgeschürften Knien. Aber ich meine, auch in den schlimmeren Krisen ist es entscheidend, wie sehr ich mich unterstützt und getragen weiß.

Ich hoffe, ich sehe meine Bekannten bald mal wieder. Ich will sie fragen, ob das eine Antwort auf unsere Frage sein kann. Nicht so viel Energie da hineinstecken, seine Kinder vor allem Schmerzhaften zu bewahren. Sondern sich darauf zu fokussieren, dass die Kinder erleben und lernen, dass sie in all dem nicht allein sind. Dass sie getragen sind – von ihren Eltern. Und, das glaube ich, auch von Gott.

Bibelnachweis: Psalm 23,4

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42859
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