SWR3 Gedanken

31AUG2025
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Geghostet, und zwar von Gott – das lese ich als Überschrift über einem Text. Ghosten – ich glaube das ist ein Phänomen, dass es schon immer gab. Diesen Namen hat es aber erst bekommen, als die Mobiltelefone kamen. Da machten immer mehr Menschen die schmerzliche Erfahrung: Wie es ist, wenn jemand völlig unvermittelt den Kontakt abbricht. Nicht mehr zurückschreibt aus heiterem Himmel, ohne Worte des Abschieds verflüchtigt sich jemand wie ein Geist.

Von Gott geghostet - genau dieses Gefühl beschreibt der Text, in dem es um Hiob geht. Eine Person aus der Bibel. Hiob macht eine schlimme Zeit durch, ein Schicksalsschlag folgt dem anderen. Mit seinen Freunden spricht er darüber, wo und wie jetzt Gott ist. Solche Krisen kennen viele.

Einer von den vielen Menschen bin ich. Das war keine schöne Zeit, als Gott auf einmal weg war. Es ist nicht so, als wäre er mir davor je so präsent gewesen, wie jemand aus dem Alltag. Aber ich hatte ein Vertrauen, eine für lange Zeit unerschütterliche Gewissheit, dass Gott da ist.

Und dann war diese Gewissheit auf einmal weg. Daran erinnere ich mich, als ich Hiobs Worte lese. Bei allem Schmerz und trotz aller Unsicherheit, bleibt er im Gespräch mit Gott. Hiob klagt. Er ergibt sich nicht einfach seinem Schicksal, sondern protestiert. Er nimmt Gott beim Wort. Gott hat doch immer wieder versprochen: „Ich bin bei denen, die an mich glauben.“

Und dann sagt Hiob inmitten seiner Klage einen bemerkenswerten Satz: „Ich gehe nach Osten –Gott ist nicht da. Nach Westen – ich finde ihn nicht. Im Norden suche ich ihn, doch er ist nicht zu sehen. Aber er kennt meinen Weg.“

Dieser Satz ist mir zum Hoffnungsfunken geworden, wenn ich mal wieder das Gefühl habe, das Gott mich geghostet hat: Auch wenn ich Gott nicht finde. Gott findet mich, er weiß, wo ich bin.

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