SWR3 Gedanken

11SEP2025
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Was für ein Wahnsinns-Projekt! In Meßkirch im Schwäbischen bauen sie den „Campus Galli“, eine mittelalterliche Klosteranlage. Und zwar so richtig mittelalterlich. Also ohne Kran und Motorsägen, nur mit Muskelkraft und dem Know-how von vor über tausend Jahren.

Nach den ersten zwei Stunden dort bin ich richtig nervös geworden, weil ich meistens drei, vier Sachen auf einmal mache, und hier ging es ganz anders zu. In der ersten Laube arbeitet Ernst. Er stellt einfach nur Wasserfässer her, oder besser gesagt: ein Wasserfass. Denn wenn man alles von Hand macht, braucht das seine Zeit. Ein paar Meter weiter drechselt Juliane so einen Griff aus Holz, den man für einen Hammer braucht.  

Die letzte Station ist bei Finnja. Sie spaltet aus Fichtenbaumstämmen solche Holzschindeln, mit denen dann Dächer gedeckt werden. Ich frage sie: „Wie viele Schindeln schaffst du am Tag?“ Sie zuckt mit den Schultern und meint nur: „In diesem Sommer habe ich vier Baumstämme vor. Die hat unser Wald hergegeben.“

Ernst, Juliane und Finnja wissen alle drei nicht, ob sie die komplett aufgebaute Klosteranlage mal sehen werden. Und genau das ist es, was mich auf dem Campus Galli nervös gemacht hat. Wie fokussiert die Leute dort arbeiten und wie bescheiden sie einfach nur ihren Part im großen Ganzen übernehmen.

Ich wünschte ich könnte wenigstens ein bisschen auch so leben. Weniger getrieben und weniger „alles auf einmal“. Mit mehr Klarheit und mehr nach dem Motto Schritt für Schritt, oder Besenstrich für Besenstrich.

Finnja und die anderen kennen ihr Ziel: die Klosteranlage. Und ich überlege welches eigentlich meins ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42845
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