SWR3 Gedanken
„Zedek, zedek tirdof“ – „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du verfolgen“ heißt es im Wochenabschnitt für diesen Schabbat. Warum dieses doppelte „Zedek“? Unsere Weisen sagen: Gerechtigkeit ist kein Ziel, das man einmal erreicht – sie ist ein Weg, auf dem wir bleiben müssen. Vielleicht steht das Wort deshalb zweimal: als Erinnerung daran, dass gerechte Ziele auch mit gerechten Mitteln verfolgt werden müssen.
Und noch etwas: „Tirdof“ bedeutet „verfolgen“, „jagen“. Gerechtigkeit fällt uns nicht zu. Man muss sich auf den Weg machen und sich anstrengen. Wer sich zum Ziel setzt, in seinem Umfeld, in seiner Stadt, in der Gesellschaft gerechter zu handeln, wird vielleicht auf Widerstand treffen. Aber genau dorthin lenkt uns die Tora mit ihrem doppelten Ruf „Zedek, zedek“.
Wahre Gerechtigkeit beginnt nicht im Gerichtssaal – sondern in den kleinen Entscheidungen des Alltags. Wie ich mit dem Nachbarn spreche, wie ich über andere denke, wie ich mein Urteil bilde. Wer Gerechtigkeit sucht, darf sich nicht mit dem halben Einsatz zufrieden geben. Denn nur wer sie mit ganzer Kraft verfolgt, wird ihr auch begegnen.
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