Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

27AUG2025
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Ich muss das wieder regelmäßig machen: Mir morgens etwas Zeit nehmen: in Ruhe ein Buch aufschlagen und eine Kleinigkeit lesen. Ich hab‘ das früher schon mal gemacht; und jetzt, wo ich wieder damit einsteige, merke ich: Das wirkt wie ein kleiner Abstandshalter zwischen Wach-Werden und Loslegen. Um nach dem Aufstehen nicht sofort wieder einzusteigen: in die Geschäftigkeit von gestern… in die üblichen Gedanken und Sorgen…. Lieber mit Zeit etwas Zeit und Ruhe einen kleinen Text dazwischenschieben – einen kleinen, neuen Gedanken. Ich finde es nicht schlimm, wenn ich den dann gleich wieder vergesse. Aber manchmal da lese ich etwas, und das verändert dann meinen ganzen Tag.

Zum Beispiel, ein kleines Gebet, das seinen Ursprung wohl in Westafrika hat. Ich bin im evangelischen Gesangbuch darauf gestoßen. Die Stimmung in diesem Gebet hat sich auf mich übertragen - und hat meinen ganzen Tag einfach besser gemacht:

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert, und ich freue mich am Licht.

Deine Sonne hat den Tau weggebrannt vom Gras und von unseren Herzen. Was da aus uns kommt und was um uns ist an diesem Morgen, das ist Dank.

Herr, ich bin fröhlich heute am Morgen.
Die Vögel und die Erde singen, und ich jubiliere auch.
Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade.
Ich fühle meinen Körper und danke.
Die Sonne brennt meine Haut, ich danke.
Das Meer rollt gegen den Strand, ich danke.
Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke.

Herr, ich freue mich an der Schöpfung
und dass du dahinter bist und daneben
und davor und darüber und in uns.

Ich freue mich, Herr,
ich freue mich und freue mich.
(Gebet aus Westafrika)

Es war ein schöner Start in meinen Tag, weil ich diese Stimmung mitnehmen konnte und deshalb will ich das wieder öfter machen: Morgens mit ein bisschen Ruhe etwas lesen und mich überraschen lassen, auf was ich da so stoße. Manchmal vergesse ich es gleich wieder, manchmal bleibt etwas hängen: was mich ermutigt oder auch mal ärgert; was mich tröstet oder mir sogar vor Augen stellt, wie gut ich es eigentlich habe – so wie das Gebet aus Westafrika.

Quelle: Ev. Gesangbuch, Stuttgart 1996, S. 815

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