Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Vor ein paar Jahren war ich in Frankreich in der Bretagne, an der Cote de Granit Rose – also der Küste des roten Granits. Abends am Strand bin ich auf den rosa-rötlichen Felsblöcke herumgeklettert. Ich hab‘ gelesen, dass die einmal Teil eines richtigen Gebirges gewesen sind: und das wurde dann im Lauf der Jahrmillionen abgetragen. Kaum vorstellbar…
Ich habe mich dann hingesetzt, habe aufs weite Meer hinausgeblickt – und da wurde mir bewusst: Auch ganze Meere und Ozeane sind im Laufe der Erdgeschichte verschwunden, neu entstanden und wieder verschwunden… Genauso bei Tieren und Pflanzen: Was hat nicht schon alles auf unserer Erde gelebt. Riesenfarne, Dinosaurier usw. Und dann ist irgendwann ein Meteorit auf der Erde eingeschlagen, und das hat gereicht, und, und fast alle diese Lebewesen sind ausgestorben.
Nach meiner Reise – zu Hause und zurück im Hier und Jetzt - haben mich dann die Nachrichten wieder eingeholt und damit auch die Diskussion um Klimaveränderung, Energiewende, Umweltschutz usw. Und ich musste plötzlich denken: Wir versuchen, die Welt zu retten. Dabei reicht ein Meteoriteneinschlag, oder ein paar hundert Millionen Jahre, und was wir gerade tun oder lassen, das ist längst vergessen.
Es ist unsinnig so zu denken. Allerdings hat das, was mir da durch den Kopf geschossen ist, meinen Blick doch etwas verändert aufs Thema Klima- und Umweltschutz. Mir ist klar geworden, dass wir Menschen tatsächlich nicht „die Natur“ oder „die Welt“ retten müssen. Genauer gesagt, wir können das gar nicht. Den Schaden, den wir gerade anrichten, den wird die Natur überstehen – irgendwie in den nächsten Millionen von Jahren. Wir selbst sind es, die den Schaden nicht überstehen!
Natur- und Klimaschutz sind wichtig aus ganz egoistischen Gründen. Das ist ja auch völlig in Ordnung: Wir Menschen brauchen eine funktionierende Umwelt, um selbst leben zu können.
Und es gibt noch ein ganz anderes Argument FÜR Natur- und Klimaschutz, und das ist Respekt: Respekt vor der Würde jeden Lebens. Und da sagt mir mein christlicher Glaube klar, dass die Welt, dass die Schöpfung nicht mir gehört, sondern aus Gottes Hand geschenkt ist. Dass alle seine Geschöpfe miteinander verbunden existieren. Verbunden in Gottes Liebe.
Ich brauche diese Welt zum Leben. Mein Glaube sagt mir, dass ich sie auch gebrauchen darf. Missbrauchen aber darf ich sie nicht.
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