Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
In einer Wochenzeitschrift stoße ich auf die Überschrift: „Wer freundlich ist, lebt gesünder und länger“. Und ein Stück weiter unten: „Selbst, wenn andere uns anpampen, lohnt es sich, nett zu bleiben.“ Und dann erklärt eine Psychologin und Bestsellerautorin, warum das so ist.
Eigentlich finde ich Psychologie interessant und Erkenntnisse, wie wir Menschen so ticken, auch ganz hilfreich. Aber als ich das gelesen habe, da habe ich mich unwillkürlich gefragt: Was wäre eigentlich, wenn Freundlich-Sein nicht gesund wäre? Womöglich sogar schädlich? Sollte ich’s dann lassen?
Mir ist schon klar, dass die Zeitungsmeldung so nicht gemeint ist, sondern einen einfach nur bestärken will, freundlich zu bleiben. Und das ist ja manchmal wirklich nicht so einfach. Aber mit einer Art Belohnung? Freundlichkeit als Mittel zur Selbstoptimierung? Als Gesundheitstipp: Früh schlafen gehen, wenig Alkohol, gesund essen, freundlich sein – und du lebst lang und erfolgreich? Eine merkwürdige Motivation. Und ich finde schon, dass da etwas ins Rutschen kommt – und zwar in Richtung Egozentrik.
Es geht doch darum, das Richtige zu tun: Freundlich zu bleiben. Einen Streit, eine schwierige Situation nicht zu eskalieren. Egal, ob man persönlich etwas davon hat oder nicht. Aber dieser persönliche Profit scheint immer wichtiger zu werden. Der Blick richtet sich immer stärker nach innen. Und ich fürchte, wir kreisen immer stärker um uns selbst.
In meinem christlichen Glauben ist das grundsätzlich anders: Da bin nicht ich mitsamt meinen Interessen und meiner Gesundheit der Dreh- und Angelpunkt, sondern Gottes Gemeinschaft – meine Umwelt, meine Mitmenschen und ich. In dieser Gemeinschaft bin ich nicht als Einzelkämpferin unterwegs, sondern auch auf meinen Mitmenschen ausgerichtet: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Bleibe freundlich – auch wenn du davon keinen Vorteil hast - , weil du sonst deinem Mitmenschen schadest – und dir selbst womöglich auch.
Ich finde Freundlich-sein taugt nicht als Mittel zur Selbstoptimierung. Dass Freundlichkeit gesund ist, ist trotzdem interessant zu wissen. Ab und an mal Dampf-Ablassen übrigens auch. Ich meine jedenfalls, dass ich das mal irgendwo in einer Zeitschrift gelesen habe.
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