SWR Kultur Wort zum Tag

Anfang dieses Monats hat Präsident Trump die Chefin des amerikanischen Amtes für Arbeitsstatistik entlassen, eine höchst kompetente langjährige Beamtin. Der einzige Grund für die willkürliche Entscheidung offensichtlich: ihm passten die veröffentlichten Zahlen der Arbeitslosen nicht, er will Erfolgsmeldungen um jeden Preis. Da wiederholt sich die uralte Geschichte: man bestraft den Überbringer der unangenehmen Botschaft; die selbst aber will man sich vom Leibe halten, sie täte weh und erforderte den Blick in den Spiegel. Genau so ging es dem mutigen Propheten, den wir Johannes den Täufer nennen. Der predigte damals ungeschminkt und fernab vom Machtzentrum Jerusalem in der Wüste: er las den Mächtigen dort die Leviten und taufte die Leute zum Zeichen ihrer Umkehr und Erneuerung. Später in Galiläa musste er dem Fürsten Herodes Gottes Strafe androhen; der hatte seinem Bruder die Frau ausgespannt und lebte in wilder Verbindung, absolut gegen göttliches Gesetz und gegen königliche Vorbildpflicht. Aber statt die Kritik des Johannes ernst zu nehmen, ließ Herodes ihn ins Gefängnis werfen und später hinrichten. Heute gedenkt die Kirche dieses jüdischen Märtyrers, dem Vorläufer Jesu.
Vermutlich war Jesus zunächst ein Hörer und Schüler dieses Johannes, vielleicht dann sogar sein Assistent. Jedenfalls kam er immer wieder auf diesen mutigen und rechtschaffenen Mann zu sprechen. Sein Schicksal ließ Jesus nicht gleichgültig. Beide verbindet die feste Überzeugung, dass Gottes Reich, Gottes Weltherrschaft nahe ist. Beide waren überzeugt, dass das Unrecht in der Welt nicht ungestraft bleibt und dass es letztlich doch keine Zukunft hat. Denn Gott ist gerecht und wirkt. Bei Gewaltanwendung knickten sie nicht ein. Gerade heraus nannten sie Unrecht beim Namen und standen ein für Gottes Willen. Sie lebten aus der Vision, dass Gottes Weltherrschaft ständig schon im Kommen ist; er lässt jene aufstehen und auferstehen, die sich seiner Gerechtigkeit annehmen.
Ich finde es schön, solche Menschen als himmlische Begleiter zu haben. Johannes hat damals diesem Jesus den Weg bereitet, warum sollte er es nicht auch heute bei mir tun? Ich bin nicht Alexej Nawalny oder Maximilian Kolbe, die ebenfalls mit dem Leben bezahlten. Ich brauche schon Rückenstärkung, wenn ich in der S-Bahn den Mund aufmachen will, wenn Ausländer angepöbelt werden. Von größeren Einsätzen ganz zu schweigen. Heute, da wir Johannes des Täufers und seines Mutes gedenken, bin ich einfach dankbar, dass wir nicht bei null anfangen müssen. Wir sind umgeben von Menschen, die es vor uns gewagt haben, anständig zu sein und mit Gottes Gegenwart zu rechnen.
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