Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25AUG2025
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Die Bibel ist voller Geschichten über Untergang und Rettung. Eine davon mag ich besonders gerne:

Da wird erzählt, wie Jesus und seine Freunde in ein Boot steigen, um über den See zu fahren (Mk 4,35-41). Plötzlich kommt ein Sturm auf. Alle an Bord sind erfahrene Fischer, aber dieser Sturm ist so gewaltig und die Wellen so hoch - sie sind sich sicher: Gleich gehen wir unter!

Voller Panik schauen sie zu Jesus. Aber was macht der? Liegt hinten im Boot auf einem Kissen und schläft. - Ist das zu fassen?
„Wach endlich auf, Jesus! Ist es dir denn völlig egal, dass wir umkommen!“ Schreien sie. Da steht er auf, bedroht den Wind und sagt zu dem See: „Schweig und verstumme.“

Und der Wind legt sich. Es wird ganz still. „Was seid ihr so ängstlich?“, sagt Jesus. „Habt ihr noch keinen Glauben?“

Es klingt enttäuscht, fast vorwurfsvoll. Und das finde ich seltsam. Ich meine, seine Freunde hatten doch Todesangst! Und dass sie Jesus wecken, zeigt doch auch, wieviel Vertrauen sie zu ihm haben. Also: Was hätten sie denn sonst tun sollen?

Ich habe diese Geschichte auf einer Tagung erzählt und die Teilnehmenden gefragt: „Stellen Sie sich vor, Sie wären einer der Freunde Jesu gewesen. Was hätten Sie getan?“

Erst einmal war Stille. Dann hat eine Frau gesagt:
„Mir geht dieser schlafende Jesus nicht mehr aus dem Sinn. Und ich glaube, ich weiß, was ich getan hätte: Ich hätte mich einfach ganz dicht neben ihn gelegt.“

Sich ganz dicht neben Jesus legen… Darauf wäre ich nie gekommen. Das ist auch keinem seiner Freunde eingefallen. Und doch trifft es in meinen Augen genau ins Schwarze: Mich ganz dicht neben Jesus legen, in der Not. Und vertrauen wie ein Kind. Selbst in den größten Stürmen meines Lebens: Wo er schläft, da bin ich sicher.  

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