SWR Kultur Wort zum Tag

26AUG2025
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Das Universitätsklinikum in meiner Heimatstadt Tübingen hat eine Kampagne gestartet. Das Motto lautet: „Toleranz – Respekt – Miteinander. 120 Nationen in starken Teams“. Wo sonst auf dem Klinik-Gelände Werbetafeln hängen, die mit Krebs zu tun haben oder für einen Fachkongress geworben wird, geht es jetzt um etwas sehr, sehr Grundsätzliches*. Ums Zusammenleben, ums gute Miteinander von Menschen, die in einem Krankenhaus plötzlich und ungeplant aufeinandertreffen. Die Botschaft der Tübinger Kampagne ist klar: Das geht! Es funktioniert wunderbar, wenn möglichst alle mitmachen. Die am OP-Tisch stehen und die Pflegekräfte auf den Stationen. Die Frauen und Männer in der Verwaltung, die sich ums Organisatorische kümmern. Die Leute vom Sozialdienst, die helfen, nach einer Krankheit in den Alltag zurückzukehren. Studierende, die lernen, was sie später im Beruf brauchen. Die im Service, die putzen und das Essen bringen. In Tübingen kommen dabei Menschen aus 120 Ländern unserer Erde zusammen, Eritreer und Syrer, Frauen aus Korea und Männer aus Kasachstan, solche, die schon lange hier sind und andere, die erst vor kurzem aus ihrer Heimat flüchten mussten. Wenn schon die Deutschen sehr verschieden sind, was ihre Einstellungen und ihre Kultur angeht, hier kommt buchstäblich die halbe Welt unter einem Dach zusammen. Von den Patienten ganz zu schweigen. Die kommen von einem Dorf auf der Schwäbischen Alb oder aus Stuttgart, aber auch aus Saudi-Arabien oder Russland, um hier medizinisch optimal versorgt zu werden. Kurzum: Das würden Deutsche allein gar nicht schaffen. Weil wir nicht genügend Fachkräfte haben, weil in manchen Berufen fast kein Deutscher mehr arbeiten will, weil die Spezialisten eben auch aus dem Ausland kommen. Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass andere uns unterstützen.

An und für sich ist das Ganze nichts Besonderes. Menschen leben und arbeiten zusammen. Die einen kümmern sich, den anderen wird geholfen. Herkunft und Geschlecht spielen keine Rolle. So könnte es überall sein, so sollte es sein. Ist es aber leider zunehmend nicht. Deshalb ist es richtig herauszustellen, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Gegenden unserer Welt an einem Strang ziehen können, ja, dass es in einer globalisierten Welt gar nicht anders geht. Die 11.000 Mitarbeitenden am Uniklinikum Tübingen machen es vor. Sie wissen, dass es überall gelingen kann, wenn man auf Zweierlei achtet: Respekt und Toleranz.

 

*Mittlerweile wurde das Banner ersetzt durch die Kampagne für das neue Magazin des Universitätsklinikums Tübingen: "PULS online".

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42811
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