SWR4 Abendgedanken

29AUG2025
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Ich war Zivi beim Roten Kreuz und hatte Nachtdienst beim Krankentransport. Am späten Abend ging das Telefon. Ein älterer Mann im Rollstuhl musste in die Urologie. Etwas stimmte nicht mit seinem Katheter. Mein Kollege und ich haben den Mann mitsamt seiner Frau ins nächste Krankenhaus gefahren. Gott sei Dank konnten sie ihm da helfen. Wir haben so lange gewartet, und es war inzwischen fast Mitternacht. Mein Kollege saß beim Rückweg hinten im Krankenwagen bei dem älteren Mann und ich bin gefahren. Neben mir saß seine Frau. Sie strahlte vor Glück. Und dann hat Sie zu mir gesagt: „Ach, ich bin so dankbar, dass mein Mann wieder nachhause kommt. Wissen Sie, in unserem Alter ist es nicht selbstverständlich, dass wir wieder heimkommen.“

Das hat mich sehr gerührt. Als junger Mensch war mir das so fern. Für mich war klar. Wenn jemand ins Krankenhaus kommt, wird er in der Regel wieder gesund und lebt sein Leben weiter. Diese Frau hat mir klar gemacht, dass das eben nicht selbstverständlich ist. Vor allem, ab einem gewissen Alter.

Und noch etwas ist mir geblieben. Sie hat mir erzählt, dass sie beide Mitte achtzig sind und schon verwitwet. Dass sie sich erst vor wenigen Jahren kennen und lieben gelernte haben. Und ich dachte: Mein Gott, wie schön. Was im Alter doch auch noch alles geschehen kann.

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Meine eigenen Eltern sind ungefähr so alt wie das Paar damals und mein Papa ist inzwischen leider gar nicht mehr fit.

Die Situation ist nicht einfach. Weder für meine Mama noch für uns als Familie. Immer wieder kommt mir die Situation von damals in diesem Krankenwagen in den Sinn und ich denke: Trotz allem bin ich dankbar. Dankbar, dass meine Eltern noch zuhause sein können. Dankbar, dass es Unterstützung gibt von Nachbarn, vom Sozialdienst oder, wenn es hart auf hart kommt, auch vom Rettungsdienst.

Und es gibt zwischen allem, was anstrengend ist ja trotzdem auch die schönen Situationen. Wenn mein Papa eine ruhige Nacht hat und er, und dadurch auch meine Mama, gut durchschlafen können. Wenn wir am Kaffeetisch sitzen, von etwas erzählen und der Papa lächelt. Oder einfach, wenn es nach einem Arztbesuch wieder heim geht. Und ich mir dann denke: Es ist nicht selbstverständlich, wieder nach Hause zu kommen, aber am schönsten. Und dafür bin ich dankbar.

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