SWR4 Abendgedanken

26AUG2025
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Junia arbeitet im Männerknast.

Sie ist dort Seelsorgerin, das bedeutet: sie redet mit den Insassen, feiert Gottesdienste mit ihnen und ist auch für alle da, die im Gefängnis arbeiten. Wahrscheinlich habe ich totale Klischees im Kopf. Denn in meiner Vorstellung hat sie es dort mit lauter muskelbepackten, auf den Oberarmen tätowierten Männern zu tun, die alle finster dreinschauen. Junia ist ziemlich taff, aber trotzdem dachte ich mir anfangs: Als Frau im Männergefängnis? Geht das gut? Wird sie dort ernst genommen? Oder ist das in manchen Situationen sogar gefährlich für sie?

Sie erzählt mir von einem Gespräch mit jemandem, der wirklich schlimme Dinge getan hat . Deswegen ist ein Vollzugsbeamter mit dabei, zum Schutz für sie. Sie sagt aber: „Mir ist völlig klar: Wenn der mit etwas antun will, ist der in einer Sekunde bei mir. Da kann der Beamte auch nichts mehr machen.“ Trotzdem wollte sie beim nächsten Gespräch ganz alleine mit ihm sein. Das hat sie dann auch mit der Gefängnisleitung so besprochen. Sie hat Respekt vor ihm, aber keine Angst und sagt: „Der weiß genau, dass er nichts davon hat, mir was anzutun. Weil er weiß, dass ich ja hier im Gefängnis nicht zum System gehöre. Ich hab hier nichts zu sagen. Für sie ist eine Sache nämlich ganz wichtig, sie sagt: Der Mann hat das Recht auf eine Seelsorgerin. Das Recht mit jemandem offen sprechen zu dürfen, der es nicht weiter erzählen darf und keine Aktennotizen schreibt. Jemand, der weder Richter ist, noch ihn psychologisch behandelt.“

Junias Haltung imponiert mir sehr. Nicht nur ihr Mut, sondern auch ihrer Klarheit:

Egal, wie schlimm es ist, was jemand getan hat. Jeder hat das Recht frei sprechen zu dürfen. Junia schaut sich auch nie die Akten der Insassen vorher an. Sie möchte sich selbst ein Bild von diesen Menschen machen. Ihre Verbrechen sind dafür erstmal nicht relevant. Relevant ist, dass diese Männer sich melden, weil sie reden wollen. Ein Anliegen haben. Ihnen etwas auf der Seele liegt. Genau deswegen heißt es ja Seelsorge.

Ich bin froh, dass es Menschen, wie Junia gibt, die es selbst im Gefängnis möglich machen, dass Menschen mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine sind. Und genau das ist für mich Seelsorge. Für Menschen da zu sein. Egal an welchem Ort.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42805
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