SWR4 Abendgedanken

25AUG2025
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Wie kommt man nur auf die Idee, in ein Schweigekloster einzutreten? Da muss man ja schon ein wenig menschenscheu oder verrückt sein. Oder vielleicht beides. Denn, wer in so ein Kloster eintritt, bleibt oft ein Leben lang an diesem einen Ort. Betet und arbeitet jeden Tag und schweigt die meiste Zeit.

Ich war zusammen mit einer Gruppe in einem solchen Kloster zu Gast. Es liegt wunderschön auf einem Hügel in Frankreich im Burgund. Dort leben Schwestern eines katholischen Ordens bescheiden und ruhig. Wir haben dort ein paar Tage mitgearbeitet, die Umgebung genossen und waren bei den Gebetszeiten der Schwester dabei.

Wir waren nicht zufällig dort. Zwei der Schwestern haben in Tübingen studiert und sind ein paar Jahre zuvor dort eingetreten. An einem Nachmittag hatten wir mit den beiden ein Gespräch. Da habe ich gelernt, dass die Schwestern doch ein wenig reden dürfen. Sie haben erzählt: Es geht nicht darum, einfach nur zu schweigen, sondern darum, sich mehr auf die Dinge zu konzentrieren, die sie gerade tun und dabei alles unnötige Gerede einfach wegzulassen. Und das leuchtet mir wiederum ein, wenn ich mir überlege, wieviel ich jeden Tag rede! Das ist bestimmt nicht alles notwendig. 

Aber jenseits dessen, wenn ich dort wohnen würde, hätte ich sicher Heimweh nach Familie und Freunden und dem Allgäu.

Deshalb haben wir sie gefragt, ob sie auch mal in ihre Heimat fahren oder einfach Urlaub machen dürfen? Klar, dürfen sie, aber sehr selten. Zum Beispiel nur, wenn etwas Dringendes in der Familie ist. Denn, so erzählt es eine der beiden: „Ich muss mir überlegen: Wenn ich nur darauf warte, von hier weg zu kommen, dann stimmt was nicht. Dann will ich ja quasi flüchten. Denn hier ist jetzt mein Zuhause. Und es ist wichtig, dass ich mich so wohl fühle, dass ich gerne hier bin. Nicht immer die Sehnsucht habe, weg zu wollen.“

Ich werde sicherlich nie in ein Kloster eintreten. Und in ein Schweigekloster gleich doppelt nicht. Aber die Haltung dieser Schwestern hat mich doch sehr beeindruckt und mich dazu gebracht, mich immer wieder ehrlich zu fragen: Wie viele Worte brauche ich wirklich, um meine Gedanken zu formulieren? Und vor allem: Wie geht es mir gerade an dem Ort, wo ich arbeite und lebe? Lebe ich von Urlaub zu Urlaub, flüchte ich also oder bin ich zufrieden, dort, wo ich bin?

Gerade kann ich sagen: Ich bin zufrieden. Gott sei Dank.

Und vielleicht verbindet mich mehr mit den Schwestern im Schweigekloster als ich dachte.

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