SWR Kultur Lied zum Sonntag

21SEP2025
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Unser heutiges Lied zum Sonntag ist ein Lied über Wandlung.  Ein Lied, das Gott darum bittet, meine Schwächen in Stärken zu  verwandeln.

 

Das Lied heißt „Meine engen Grenzen“ und ist 1981 in ökumenischer Zusammenarbeit entstanden. Der katholische Kirchenmusiker Winfried Heurich hat es komponiert, und der evangelische Pfarrer Eugen Eckert hat den Text gedichtet. In der ersten Strophe heißt es: „Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht, bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.“

 

Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht, bringe ich vor dich.

Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.

 

Eugen Eckert verarbeitet in dem Text all das, was er als Sozialarbeiter in einem Wohnheim für Mädchen aus schwierigen Familien erlebt hat. Die Mädchen haben ihn bestohlen, betrogen und bedroht.  Eine besonders tragische Erfahrung war, als ein Mädchen, das er begleitet hat, Suizid begangen hat. Der einzige Weg, mit diesen Herausforderungen fertig zu werden, war oft, die Mädchen und sich im Gebet Gott anzuvertrauen. Eugen Eckert sagt: „Meine eigenen Grenzerfahrungen trage ich in diesem Gebets-Text vor Gott, weil ich Gott zutraue, dass er mit meiner Ohnmacht fertig wird, dass er sie wandelt und mir neue Dimensionen für mein Leben eröffnet.“

 

Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.

Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich.

 

Eugen Eckert hat den Text geschrieben aus der Überzeugung heraus, dass sich Menschen verändern können, wandeln lassen. Dass aus dem, was uns begrenzt, eine Weite werden kann. Dass wer sich ohnmächtig fühlt, wieder stark werden kann. In der dritten Strophe geht es um unsere Ängstlichkeit, aus der ein Gefühl der Wärme entstehen soll. Die vierte und letzte Strophe beschreibt ein Gefühl, das viele Menschen haben: die Sehnsucht nach Geborgenheit und die Bitte, dass Gott sie in ein Gefühl der Heimat wandeln möge.

 

Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit, bringe ich vor dich.

Wandle sie in Wärme, Herr erbarme dich.

Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich.

Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich.

 

Wenn im katholischen Gottesdienst Brot und Wein in den Leib Jesu gewandelt werden, dann hat das nichts mit einem magischen Trick zu tun. Mit dem Brot verzehre ich nicht Jesus, ich beiße nicht von ihm ab. Aber ich nehme ihn zu mir, ich hoffe, dass er sich mit mir verbindet, dass ich dadurch ein bisschen wie er werden kann. Im besten Fall wandeln sich im Gottesdienst nicht nur Brot und Wein, sondern auch die Menschen. Und Gott findet bestimmt Wege, auch diejenigen zu wandeln, die nicht im Gottesdienst sind. Deshalb singe ich das Lied „Meine engen Grenzen“ so gerne. Ich bitte damit: Gott, hilf mir dabei, meine Unzulänglichkeiten zu verwandeln. Schenke mir Herzensweite statt eingefahrener Muster. Lass mich zupacken statt dichtzumachen, zuversichtlich sein statt zu resignieren. Und vor allem gib mir das Gefühl, endlich irgendwo angekommen zu sein.

 

Quellen:                     

  1. Track Nr. 8: „Weite“ von der CD:

“Psalmcode”, Move Dove, LC 30755

  1. Chor des christlichen Entwicklungsdienstes unter der Leitung von Klaus Richter:
    Meine engen Grenzen
    ARD Archiv-Nr: C1608720Z00 (Aufnahme des BR)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42798
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