SWR Kultur Wort zum Tag

27SEP2025
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Im ersten Moment ist ein Karriereknick nie angenehm. Aber in manchen Fällen leitet er eine entscheidende Wende ein. Wie zum Beispiel bei Vinzenz von Paul. Er hat im 16. Jahrhundert in Frankreich gelebt, aber noch heute spricht man von ihm. Nicht weil er eine super Karriere hingelegt hat, sondern weil er als erster die Idee einer kirchlichen Hilfsorganisation hatte, also der Vorläufer von Caritas und Diakonie zum Beispiel.

Die Karriere von Vinzenz hat erst einmal vielversprechend begonnen. Er wollte unbedingt Priester werden, weil das damals der Beruf mit den besten Aussichten war. Ein Theologiestudium war so etwas wie die Eintrittskarte in die „upper class“. Ungewöhnlich früh hat er dieses Ziel erreicht – mit gerade mal 19 Jahren wurde er zum Priester geweiht.

Aber dann der Absturz. Ein Mitbewerber schnappt ihm die Pfarrstelle weg, das Geld wird knapp, Vinzenz muss Schulden machen und sogar vor seinen Gläubigern fliehen. Seeräuber verschleppen ihn, und er landet in Tunis, wo er sich als Hilfsarbeiter bei einem Fischer über Wasser hält.

Acht Jahre später kehrt er nach Frankreich zurück, und er ist nicht mehr der Alte. Der Karriereknick hat ihn verändert, er hat ihn innerlich verwandelt. Er will nichts mehr wissen von Geld und Adel. Er zieht in eine Priester-WG und lernt dort das einfache und spirituelle Leben schätzen. Er setzt sich für Arme und Kranke ein und ist mit Leib und Seele Seelsorger. Und siehe da: Jetzt wo er gar keinen Wert mehr darauf legt, da läuft´s auf einmal für Vinzenz.

Er wird geistlicher Berater der Königin Margarete von Valois. In ihrem Namen verteilt er Spenden an Bedürftige. Er tut es nicht wegen des Geldes oder für den guten Ruf, er tut es aus purem Mitgefühl. Und weil Vinzenz ja schon immer zielstrebig war, bleibt es nicht dabei. Er gründet Gemeinschaften, die den Armen helfen. Sie heißen „Diener der Armen“ und sind die Vorläufer unserer heutigen Hilfsorganisationen.

Der Heilige Vinzenz von Paul – sein Lebensweg zeigt, dass Karrieren nicht immer geradlinig verlaufen müssen; dass Knicke verändern und beflügeln können, und dass Erfolg für jeden etwas anderes bedeutet. Für den einen ist es das große Geld, für den anderen ist es eine erfüllende Lebensaufgabe.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42797
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