SWR4 Sonntagsgedanken
Wenn es brennt
Die letzten Tage waren eine einzige Hitzewelle. Bei uns war das für die meisten gerade noch erträglich. Im Süden Europas aber stieg das Thermometer auf über 40 Grad. Eine Konsequenz: Mit der Hitze steigt die Feuergefahr. Egal ob Frankreich, Südspanien, Portugal oder Griechenland: überall Feuersbrünste. So groß sind die Feuer, dass sie sogar vom Weltraum aus zu erkennen sind.
Feuer ist wichtig. Als der Mensch lernt, mit dem Feuer umzugehen, ist das ein riesiger Sprung in der Evolution. Feuer sind, so merkwürdig das vielleicht auch klingt, gut für die Natur. Waldbrände zum Beispiel verjüngen den Wald. Da verbrennen vor allem Gräser und Sträucher, die Altbäume bleiben aber unangetastet. Mammutbäume können ihre Samen erst nach einem Waldbrand verstreuen. Dann gibt’s nämlich genug Platz, damit junge Bäume wachsen können.
Feuer ist aber auch gefährlich. Brände bedrohen Tiere und Menschen. Ganze Städte werden ein Raub der Flammen. Und der Klimawandel verschärft die Waldbrände. Dürreperioden verlängern die Feuersaison.
Seit Urzeiten lebt der Mensch mit dem Feuer, lebt von ihm und bekämpft es. Da erstaunt es nur wenig, dass viele Redewendungen vom Feuer handeln. Jemand spielt mit dem Feuer. Jemand brennt für etwas. Eine Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Sich die Finger verbrennen.
Im biblischen Sprachgebrauch steht das Feuer für die Gegenwart Gottes. Gott zeigt sich in einem brennenden Dornbusch, der aber nicht verbrennt, zeigt sich in einer Feuersäule, die den Menschen den Weg weist. Glaubende sind Feuer und Flamme für die Glaubensbotschaft. Können nicht anders, als sie weiterzugeben. Und so andere anzustecken. Aber Achtung: Der Glaube kann auch zerstörerische Gestalt annehmen. Wenn im Namen des Glaubens alles niedergebrannt wird, was nicht zu den eigenen Überzeugungen passt. Feuer ist vielgesichtig. Auch im Glauben.
Feuer und Flamme
Feuer ist gefährlich – aber auch nützlich und gut. Auch der Glaube kennt dieses ambivalente Gesicht des Feuers. Darum geht es heute in den Sonntagsgedanken in SWR 4.
Ich glaube an einen feurigen Gott. Feuer und Flamme für den Menschen. Kann auch mal explodieren bei Ungerechtigkeit und Ausgrenzung. Viele biblische Texte erzählen von diesem Gott, der für die Menschen brennt.
Trotzdem irritiert es, wenn Jesus sagt: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen.“ (Lk 12,49) Das klingt nach Gewalt. Nach zerstörerischem Feuer. Und in der Tat. Die biblischen Erzählungen zeichnen Jesus als einen Mann, der sich nicht mit halben Sachen zufrieden gibt. Der eine klare Botschaft hat: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15) Wer sich auf Jesus einlässt, der muss sich entscheiden. Für Umkehr, für einen Glauben an eine gute Botschaft. Die buchstabiert Jesus so aus: Jeder Mensch zählt, ist geliebt, ist wichtig. Niemand darf ausgegrenzt werden. Menschen sollen für den Menschen da sein. Selbstbezogenheit überwinden. Sich nicht so aufblasen. Mal einen Schritt zurücktreten. Dafür sorgen, dass es dem anderen und mir, dass es allen gut geht. Und dafür auch eintreten. Auch wenn andere davon nichts hören wollen.
Das ist eine ziemlich zündende Botschaft. Gerade heute. Wo wieder vermehrt Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Einkommens, ihres Geschlechts ausgegrenzt werden. Wo zu oft zwischen »Uns« und »denen« unterschieden wird.
Jesus selbst hofft, dass sich andere von seiner menschenfreundlichen Botschaft anstecken lassen. Will Feuer werfen, damit andere Funken fangen. Und er stirbt schließlich, weil er nicht von dem abrücken will, was in ihm brennt: Die Liebe zum Menschen, die Hoffnung auf einen Gott, der Feuer und Flamme für den Menschen ist.
Das Feuer, das Jesus auf die Erde werfen will, davon erzählt etwa die Pfingstgeschichte eindrucksvoll. Da scheint es, so wird erzählt, als würden Feuerzungen auf Menschen niederfallen. Und sie stark machen, für ihren Glauben durchs Feuer zu gehen: Für den Glauben, dass Gott sich in jedem Menschen zeigt. Und dass jeder Mensch auch so behandelt werden sollte, als wäre er Gott.
Lk 12,49–53
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter, und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.
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