SWR1 Begegnungen

17AUG2025
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Ludwig Schulz

Leben retten gibt Sinn

Wolf-Dieter Steinmann trifft Ludwig Schulz. Er leitet die Geschäftsstelle der DLRG Baden im Karlsruher Rheinhafen. 

Ich bin schon öfter an der Geschäftsstelle der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft - kurz DLRG - vorbeigekommen. Mitten im Karlsruher Rheinhafen. Und habe sie übersehen. Unmöglich! Brauchen will ich sie zwar nicht. Aber gut, dass es Ludwig Schulz und die vielen ehrenamtlichen Lebensrettenden gibt.

Wir machen ja, angefangen von der Schwimmausbildung, die ja der Kernbereich ist, über den Katastrophenschutz Wasserrettungsdienst, Tauchen, Strömungsrettung bis hin zum Rettungssport. Ich kenne keine Organisation, die so breit aufgestellt ist zum Thema Sicherheit rund ums Wasser.

Sie wachen freiwillig an Badeseen, im Urlaub an der Küste. Sind auf Abruf, wenn am Rhein jemand verunglückt. Ludwig Schulz leitet die DLRG Geschäftsstelle als einer von wenigen Hauptamtlichen. Ist dafür da, dass die Institution funktioniert, der Rahmen, damit Menschen gerettet werden können wie z.B. ein junger Migrant im Rhein.

Unsere Taucher hatten den nach 11 Minuten gerettet, erfolgreich reanimiert, was eigentlich gar nicht mehr wahrscheinlich war. Normalerweise hat man so n Zeitfenster von vier Minuten, aber der ist eben in einer Wassertiefe getrieben, die so ne Temperatur hatte, dass der ganze Stoffwechsel entsprechend runtergefahren wurde. Gerade für unsere Taucher, die natürlich so oft zu spät kommen, oft nur bergen statt retten, ist das natürlich ein Supererlebnis gewesen. Für alle. Das sind halt die Sachen, wo man denkt, ja es lohnt sich, ne.

Solche glücklichen Geschichten braucht man als Inspiration, auch wenn man selber nicht getaucht ist. 18 Jahre arbeitet Ludwig Schulz auf der Geschäftsstelle. Ist inzwischen Anfang 60. Damals war das ein kleiner Ausstieg in seiner Berufskarriere.

Ich hab sogar schon nen Vertrag da liegen gehabt, aber hab dann eigentlich die Anzeige von der DLRG gesehen und dachte Mensch mal was anderes als immer nach Zahlen jagen müssen und Umsätze liefern. In einer Hilfsorganisation zu arbeiten, war eigentlich schon immer irgendwie was Erstrebenswertes für mich.

Und viele großartige Freiwillige motivieren ihn. Einer z.B. der hat DLRG gelebt bis ins hohe Alter. Ein Vorbild für Ludwig Schulz. Er ist überzeugt: Ehrenamt ist geben und nehmen.

Man hat halt ein gemeinsames Projekt mit anderen Leuten, die das Gleiche wollen wie man selbst und dann Sinn: allein schon, wenn ich an einem Baggersee bin und ich helfe jemand, der in eine Glasscherbe getreten ist, da fängt der Sinn doch eigentlich schon an.Natürlich ist es super, jungen Leuten sein Wissen weitergeben zu können, wenn ich dann den eigenen Nachwuchs so seh, wie die meine Institution weitertragen.

Ich glaube, in unserer Gesellschaft muss das lebendig bleiben. Leben ist nehmen und geben. In der Bibel heißt es sogar: Geben ist seliger als nehmen. Das hat doch was, dass DLRGler fremden Kindern schwimmen beibringen oder wachsam sind, wildfremde Menschen zu retten. Auch solche, die sich übermütig für unsinkbar halten - übrigens meistens Männer. Sein Credo darum:

Schwimmen können ist das beste Verhütungsmittel gegen den Ertrinkungstod. Deshalb ist bei uns zentrales Ziel, möglichst allen Menschen schwimmen beizubringen.
Ludwig Schulz hat viel Verständnis, wenn jemand nicht schwimmen kann.

„Schwimmen können ist das beste Verhütungsmittel gegen Ertrinkungstod“, sagt Ludwig Schulz. Er weiß, wovon er redet. Als Junge hat er sich nicht ins Wasser getraut. Aber das hat ihm auch zugesetzt.

Es ist nicht gut, nicht schwimmen zu können, auch kein gutes Gefühl. Ich war auch noch der Jüngste bei uns in der Straße und so, die sind immer schwimmen gegangen und ich bin dann auch mal mit und hab dann immer Ausreden gehabt, warum ich an dem Tag jetzt gerade nicht ins Wasser kann.
Wenn man nicht schwimmen kann, die ganzen Wassersportarten, ich kann ja dann eigentlich nicht sicher Kanufahren oder sonst irgendwas teilnehmen. Ich bin aus ganz vielen Bereichen einfach ausgegrenzt.

Man grenzt sich so eigentlich selbst aus. Oder bringt sich schließlich in Gefahr. Wie er als Grundschüler.

Ich hab dann halt zugeguckt, wie die alle vom Ein-Meter-Brett gesprungen sind. Und ich dachte, irgendwie werd ich es bis zum Rand schaffen und tatsächlich, als Nichtschwimmer bin ich dann vom Brett gesprungen und musste dann vom Bademeister gerettet werden, weil ich hab es natürlich nicht an den Rand geschafft.

Typisch Kind? Hmm. Ich fürchte, dieses Muster gibt es auch bei uns Erwachsenen. Nicht nur beim Schwimmen: Man redet sich Gefahren klein. Will sich nicht verändern oder: „sollen doch die anderen.“
Ludwig Schulz hat schließlich schwimmen gelernt. Sein Vater war behutsam und beharrlich. So hat sich seine Angst verwandelt ins Vertrauen: Ich werde getragen und kann mich verändern. Vielleicht ein Rezept für Mut und Zuversicht für Leben überhaupt. Ihn pusht es jedenfalls bei der DLRG bis heute.

Wir und auch die Schwimmvereine, also in ganz Baden, bieten wir flächendeckend eigentlich - sofern halt auch ein Bad vorhanden ist - Schwimmausbildung an.
Es ist noch in der Kritik, dass zu wenig Schwimmen in der Grundschule angeboten wird. Karlsruhe hat da mit „Schwimmfix“ n ganz gutes Programm, was wir auch unterstützen. Dass wir mit den Lehrern reingehen und den Teil der Klasse übernehmen, die halt noch keine sicheren Schwimmer sind, die machen Wassergewöhnung. Dann kann sich der Lehrer schon mal auf die anderen konzentrieren und das ist ein erfolgreiches Projekt.

Man könnte denken, Schwimmenlernen und DLRG seien vor allem Ernst. Aber er beobachtet bei den Ehrenamtlichen was anderes, selbst in harten Trainings für die Lebensrettung.

Ausbildung ist ja nicht immer nur Herausforderung es macht auch Spaß und viele Leute haben auch nach wie vor Freude dran, was zu lernen für ihr Leben.

Wasser soll Spaß machen; und das Leben hoffentlich auch. Und kann es, wenn Menschen aufeinander achten. Ludwig Schulz wünscht Ihnen das heute und ich schließe mich an.

Alle, die heute irgendwas in irgendeiner Form mit Wasser zu tun haben, wünsch ich einen tollen Tag am Wasser, mit viel Sonne, viel Spaß am Wasser und vor allem sicher im Wasser.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42783
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